Michael
Lüth 1999
Auf
schwankendem Grund – die Moore
S. 219-260
In:
Der Rohrhardsberg
Neue Wege im Naturschutz für den Mittleren
Schwarzwald
Naturschutz – Spectrum - Themen 91, 413 S., Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher.
Bei dem Begriff „Biotop“ denken viele Menschen spontan an Moore, obwohl Biotop lediglich ein allgemeiner Begriff für „Lebensraum“ ist. Allerdings sind Moore ein Sinnbild für gefährdete und besonders schützenswerte Biotope (Lebensräume). Dies kam den Menschen jedoch erst ins Bewußtsein, als im ehemals moorreichsten Gebiet Deutschlands, im niedersächsischen Flachland, keine intakten Hochmoore mehr existierten: sie wurden durch landwirtschaftliche Nutzbarmachung und Torfabbau zerstört. Auch im Schwarzwald wurden Moore genutzt, die Zerstörung wurde hier jedoch nicht so konsequent betrieben, so daß zum Teil noch weitgehend intakte Moore existieren.
Moore gehörten zu den ersten Biotopen, die als Naturschutzgebiete ausgewiesen wurden. Im Schwarzwald wurden bereits 1938 etliche Moore unter Schutz gestellt wie z. B. das Ibacher Moor und das Schwenniger Moor. Im Mittleren Schwarzwald war 1960 das Blindensee-Moor eines der ersten Naturschutzgebiete. Es folgten im Projektgebiet dann später als Naturschutzgebiete das Moor „Briglirain“ und „Elzhof“ und als Flächenhaftes Naturdenkmal der „Torfstich Weißenbach“ und der „Moosschachen“ bei der Martinskapelle. Die Unterschutzstellung einzelner Moore konnte jedoch nicht die Zerstörung weiterer Moorflächen verhindern und es ist weiterhin mit einem Rückgang dieses Lebensraumes und der betroffenen Arten zu rechnen. Allerdings sind seit 1992 unter § 24a des Biotopschutzgesetzes im Landes-Naturschutzgesetz Baden-Württembergs neben anderen Biotopen auch alle Moore geschützt und ihr Lebensraum darf durch keine Eingriffe beeinträchtigt werden. Ein besserer Schutz als das Gesetz bieten jedoch das Verständnis und die Einsicht der Menschen, die den Wunsch hegen, eine intakte und lebendige Natur zu erhalten.
Das Blindensee-Moor (Schönwald) gehört zu den wenigen bekannten Mooren im Projektgebiet. In der Literatur sind außerdem noch erwähnt: Moosschachen bei Martinskapelle (Furtwangen), Briglirain (Furtwangen), Wolfbauernmoor (Schonach), Haldenmathis (Schönwald), Auf'm Bühl (Schönwald) und Schwarzenmoos am Mühleberg (Schönwald). Tatsächlich existieren im Ost-Teil des Gebietes aber eine weitaus größere Zahl von Mooren (siehe Verbreitungskarte der Moore Kapitel 3); es ist das moorreichste des Mittleren Schwarzwaldes.
Wenn auch die Moore des Südschwarzwaldes mehr seltene Pflanzen aufweisen als jene in anderen Teilen des Schwarzwaldes, so konnten in den Mooren des Projektgebietes doch eine erstaunliche Zahl seltener Arten gefunden werden, darunter etliche Neu- und Wiederfunde für den Mittleren Schwarzwald. Daß Moore zu den gefährdetsten Lebensräumen gehören, läßt sich schon daran erkennen, daß in den Mooren des Gebietes über 50 Pflanzenarten der Roten Liste vorkommen (darunter acht stark gefährdete und 33 gefährdete Arten), mehr als sonst in einem Biotoptyp.
Möge dieser Text dabei helfen, eine verbesserte Kenntnis und daraus ein erweitertes Verständnis für den Lebensraum Moor zu bekommen, um damit eine Grundlage für die Erhaltung der Moore schaffen.
Ich möchte an dieser Stelle Hernn M. Ahrens, Herrn M. Nebel
und Herrn M. Sauer für die Überprüfung einiger Moosproben und Hinweise zur
Verbreitung einiger Arten danken. Danken möchte ich auch Herrn W. Wimmenauer
für ein aufschlußreiches Gespräch über Vorkommen kalkführender Wässer im
Schwarzwald und Herrn S. Jäckle für Informationen über ehemalige und aktuelle
landwirtschaftliche Nutzung im Gebiet. Außerdem danke ich der Lektorin B. Koch
für die aufmerksameDurchsicht des Manuskripts und ihren konstruktiven
Anregungen.
Die Vegetationseinheiten
Unter dem Begriff Niedermoor werden gewöhnlich von Mineralbodenwasser beeinflußte Moorstandorte und Sumpfstandorte zusammengefaßt. In Mooren ist die Zersetzung der Pflanzenstreu gehemmt, es kommt zur Torfbildung, in Sümpfen dagegen nicht. Torf ist eine semiterrestrische Humusform, bei der die Struktur der Bestandteile mikroskopisch noch erkennbar ist (WILMANNS 1984: 165). Im Gegensatz zu den Hoch- und Übergangsmooren ist die Torfmächtigkeit in den Niedermooren gering und durch das Grundwasser besteht Anschluß an den mineralischen Untergrund. Die Standortbedingungen und damit auch die Artenzusammensetzung von „Niedermoorgesellschaften“ mit oder ohne Torf sind ähnlich. Entscheidende Faktoren für den Standort Niedermoor sind der hohe Grundwasserstand und eine gewisse Armut an verfügbaren Nährstoffen. In den Hochlagen des Schwarzwaldes wird die Vermoorung an vernäßten Standorten durch das kühle und niederschlagsreiche Klima begünstigt. Im Projektgebiet findet man „Niedermoorgesellschaften“ nur auf vermoortem oder zumindest anmoorigem Untergrund. In den Hochlagen ist dies klimabedingt. In den wärmeren Tieflagen sind die mineralreichen Standorte der „Niedermoorgesellschaften“ durch Entwässerung und Düngung fast vollständig in Naßwiesen umgewandelt, nur auf torfigem Untergrund haben sich kleinflächig Fragmente erhalten können.
Die meisten Niedermoore des Gebietes wurden früher landwirtschaftlich genutzt; entweder wurden sie beweidet, häufiger aber in aufwendiger Handarbeit gemäht. Das Mähgut wurde als Viehfutter genutzt, Streunutzung gab es auf den Niedermoorflächen des Gebietes vermutlich nicht. Selbst in den Hochlagen des Gebietes hat jeder Hof sein eigenes Getreide angebaut, meist Roggen. Das Stroh daraus lieferte Stalleinstreu in ausreichender Menge. Heute sind gemähte Niedermoore eher eine Ausnahme, da die Flächen für Maschinen nicht so leicht zugänglich sind und eine Beweidung weniger Mühe bereitet.
Das Schnabelseggenried ist eine Gesellschaft mit weiter ökologischer Amplitude und daher auch sehr unterschiedlichem Erscheinungsbild. Allen Beständen gemeinsam ist der ganzjährig hohe Grundwasserstand mit zeitweiser oder dauernder Überflutung der Mooroberfläche. Die Gesellschaft nimmt die nässesten Bereiche innerhalb der Moore ein. Primäre Standorte sind die Verlandungsgürtel flacher Gewässer und die Laggbereiche von Hochmooren. Sekundär findet man das Schnabelseggenried in verlandenden Torfstichen, Weihern und Gräben und in vernäßten Mulden und Senken innerhalb von Niedermoorkomplexen und Naßwiesen.
Die Gesellschaft wird in der Literatur gewöhnlich der Klasse der Röhrichte und Großseggenriede (Phragmitetea) zugeordnet (PHILIPPI 1974a: 148). Die wuchskräftigen Großseggenriede sind typische Vegetationseinheiten der wärmeren Tieflagen, in den kühlen Höhenlagen des Schwarzwaldes klingen sie langsam aus. Das Schnabelseggenried ist die einzige Großseggen-Gesellschaft, die im Schwarzwald weit verbreitet ist. Allerdings ist die Zuordnung der meisten Bestände an die Großseggenriede sehr fraglich, da in ihnen oft Arten der Kleinseggenriede überwiegen und kennzeichnende Arten der Röhrichte und Großseggenriede weitgehend fehlen. DIRSSEN (1984: 30) will daher das Schnabelseggenried aus der Klasse der Röhrichte und Großseggenriede herauslösen und zu den Nieder- und Zwischenmoorgesellschaften (Scheuchzerio Caricetea fuscae) stellen. Tatsächlich nimmt die Gesellschaft im Schwarzwald (so auch im Projektgebiet) eine vermittelnde Stellung zwischen den Großseggenrieden und den Niedermoor-Gesellschaften ein.
Die Schnabel-Segge (Carex rostrata) tritt in den Beständen der Gesellschaft meist aspektbildend auf, wodurch die in der Regel wenig trittfesten Schwingrasen schon aus einiger Entfernung gut erkennbar sind. Neben der Schnabel-Segge sind typische Arten der Gesellschaft:
Potentilla
palustris Equisetum fluviatile
Menyanthes trifoliata Epilobium
palustre
Galium palustre
Im Verlandungsbereich flacher Weiher findet sich eine artenarme Ausbildung des Schnabelseggenriedes. Häufig ist die Schnabel-Segge sogar die einzige Art, die sich, im schlammigen Boden des Weihers wurzelnd, in die freie Wasserfläche des Gewässers vorschiebt. Zwischen den bis zu einem halben Meter tief im Wasser stehenden Seggen findet man Schwimmblatt-Pflanzen wie Schwimmendes Laichkraut (Potamogeton natans) , Kleine Wasserlinse (Lemna minor) und untergetaucht den Wasserstern (Callitriche spec.). Bei geringerer Wassertiefe gesellen sich meist vereinzelt weitere der oben genannten typischen Arten der Gesellschaft dazu. Die Bestände dieser Ausbildung zeigen bezüglich ihrer Physiognomie noch eine deutliche Nähe zu den Röhrichten und Großseggenrieden.
Der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia), der in einigen naturnahen Weihern in Schonach zu finden ist und als ein typischer Vertreter der Röhrichtpflanzen gilt, ist an diese Stellen gepflanzt worden. Die Art kommt im Gebiet nicht natürlich vor, ebensowenig das Schilfrohr (Phragmites australis), das in einem verlandenden Torfstich in einem abgelegenen Moor bei Gummele (990 m ü. N.N.), Gemeinde Schonach, einen großen Bestand bildet. Die Herkunft des Schilfes bleibt rätselhaft, dem Eigentümer der Fläche ist von einer Pflanzung nichts bekannt.
Mit fortschreitender Verlandung der Gewässer oder an Standorten mit weniger hohem Grundwasserstand verändert sich das Schnabelseggenried je nach Nährstoffangebot in seiner Artenzusammensetzung.
Nährstoffreichere Bestände sind meist im Kontakt von Naßwiesen und Hochstaudenfluren zu finden und weisen eine Reihe von Arten dieser Vegetationseinheiten auf. Häufig sind dies:
Angelica
sylvestris Caltha palustris
Juncus acutiflorus Lotus
uliginosus
Filipendula ulmaria Ranunculus
aconitifolius
Schwach nährstoffhaltige bis nährstoffarme Bestände des Schnabelseggenriedes sind oft flächig mit Torfmoosen bewachsen. Die dominierende Art ist dabei meist Sphagnum fallax, daneben kommt auch Sphagnum flexuosum und Sphagnum angustifolium häufiger vor. Insgesamt seltener, jedoch in den etwas basenreicheren Beständen des Schnabelseggenriedes im Projektgebiet verhältnismäßig weit verbreitet ist Sphagnum teres, ein Torfmoos, das in der Roten Liste der Moose (Philippi 1983) als gefährdet eingestuft ist. Ein seltenes Torfmoos des Schnabelseggenriedes ist Sphagnum riparium, über das DIERSSEN (1984: 52) schreibt, es sei nur sehr selten in Beständen des Nordschwarzwaldes gefunden worden. Im Projektgebiet konnte diese Art in Schönwald bei der Hubertuskapelle und im Gebiet Farnberg nachgewiesen werden. Unter den Laubmoosen sind es vor allem Polytrichum commune und Calliergon stramineum, die bisweilen stark in den Flächen vertreten sind. Die torfmoosreiche Ausbildung des Schnabelseggenriedes leitet zu den Braunseggensümpfen (Caricetum fuscae) über, weshalb auch eine Reihe ihrer Arten häufig in den Beständen vorkommen. Unter anderem sind dies:
Carex
canescens Carex fusca
Viola palustris Eriophorum angustifolium
Stellenweise können Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und Blutauge (Potentilla palustris) dichte Bestände bilden, in denen die Schnabel-Segge zuweilen ganz zurücktritt. In den Torfstichen am Rand des Blindensee-Moores, Gemeinde Schönwald, kommt auf großer Fläche solch ein Bestand mit dem seltenen Schlenken-Torfmoos Sphagnum majus vor. Ein weiters Vorkommen dieser Art existiert in einem ähnlichen Bestand in einem kleinen verlandeten Weiher in einem Moorkomplex bei der Hinteren Vogte, Gemeinde Schönwald.
Das Schnabelseggenried ist in den Hochlagen des Schwarzwaldes weit verbreitet und häufig. Im Projektgebiet beschränkt sich das Vorkommen im wesentlichen auf das moorreiche Gebiet von Schönwald und Schonach. Hier sind es oft nur kleinflächige Vorkommen innerhalb größerer Moorkomplexe. Stellenweise tritt das Schnabelseggenried jedoch auch sehr großflächig auf, so zum Beispiel im Moor südlich des Schänzlehofes, im Blindensee-Moor, im Wolfbauernmoor und im Rensberg-Moor.
Im Bereich des Rohrhardsberges ist die Gesellschaft des Schnabelseggenriedes aktuell nicht gefährdet. Die Bestände sind konkurrenzkräftig und können sich auch an Sekundärstandorten ansiedeln. Die Standorte sind für die Landwirtschaft ohne besonderes Interesse, da selbst eine Entwässerung kaum eine Standortverbesserung ergibt.
Wenn auch die Gesellschaft als solche häufig und nicht gefährdet ist, so gibt es doch einzelne Bestände, die durch das Vorkommen seltener Arten herausragen. Diese Bestände liegen in wertvollen Moorkomplexen, deren Erhaltung bereits durch Ausweisung als Naturschutzgebiet oder als vertragliche Biotoppflegefläche gesichert ist.
Das Schnabelseggenried ist eine primäre Pflanzengesellschaft, sie ist nicht erst durch den wirtschaftenden Menschen entstanden und benötigt daher keine besondere Pflege zur Erhaltung. An den sehr nassen Standorten können Gehölze kaum Fuß fassen, so daß keine Verbuschungsgefahr besteht. Wo kleinere Bestände des Schnabelseggenriedes in Mulden und Senken innerhalb gemähter Niedermoorkomplexe liegen, werden diese häufig mitgemäht. Dazu kann eine leichte Entwässerung der kaum trittfesten Bereiche durch kleinere, mit dem Spaten gezogene Stichgräben akzeptiert werden. Dieser Maßnahmen können eine Einwanderung von Arten der Braunseggensümpfe bewirken, was jedoch nicht unbedingt zu einer Abwertung der Flächen führt. Wenn dadurch erreicht wird, daß mehr Moore durch Mahd gepflegt werden können, sind solche kleineren Eingriffe annehmbar.
Der Braunseggensumpf ist eine von Kleinseggen dominierte Gesellschaft auf basenarmen, nassen Standorten, bei denen das Grundwasser oft bis an die Oberfläche steht. Im Gegensatz zum Schnabelseggenried sind die Bestände nur selten mit Wasser überstaut. Bei Trockenheit kann das Grundwasser über kurze Zeit bis zu einem halben Meter abfallen (KLAPP 1965) und die Oberfläche austrocknen. In der Regel werden jedoch selbst in Dürreperioden nicht mehr als die oberen 10 cm des Bodens durchlüftet (NEUHÄUSEL 1975; 96).
Im Unterschied zum Herzblatt-Braunseggensumpf handelt es sich beim Braunseggensumpf meist um Bereiche mit stagnierendem Wasser (Verebnungen, Senken, Mulden), wodurch eine sehr geringe Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff gegeben ist. Wenn auch der deutsche Gesellschaftsname auf einen Sumpf hindeutet, so sind in den kühlen und niederschlagsreichen Lagen des Schwarzwaldes rein sumpfige Standorte des Braunseggensumpfes eher selten; zumeist ist eine mehr oder weniger geringe Torfbildung vorhanden. Wo die Torfmächtigkeit zunimmt und der Wurzelhorizont der Pflanzen sich allmählich über das Grundwasser hinaushebt, leitet der Braunseggensumpf zu den Übergangsmooren über.
Die typischen Bestände des Braunseggensumpfes sind überwiegend von niederwüchsigen und konkurrenzschwachen Pflanzen besiedelt. Typische und häufige Arten sind:
Carex
echinata Carex canescens
Carex fusca Eriophorum angustifolium
Viola palustris Menyanthes trifoliata
Agrostis canina Dactylorhiza
majalis
Häufig weist der Braunseggensumpf eine nahezu durchgehende Moosschicht auf, in typischen Beständen sind dies vor allem:
Sphagnum
fallax Sphagnum angustifolium
Sphagnum palustre Sphagnum
nemoreum
Aulacomnium palustre Polytrichum
commune
Je nach sich ändernden Standortbedingungen variiert der Braunseggensumpf in
Richtung der korrespondierenden Pflanzengesellschaften. Auf besonders nassen
Flächen ist dies das Schnabelseggenried. In solchen Beständen tritt vermehrt
die Schnabel-Segge (Carex rostrata) und das Blautauge (Potentilla palustris)
auf.
Auf Flächen mit starker Torfauflage im Untergrund stellen sich vermehrt Arten der Hoch- und Übergangsmoore ein. Neben der Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und dem Scheidigen Wollgras (Eriophorum vaginatum) sind es vor allem Zwergsträucher wie Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und Heidekraut (Calluna vulgaris), die das Erscheinungsbild des Braunseggensumpfes verändern. Häufig findet man solche Ausbildungen auf gestörten Übergangs- oder Hochmoorflächen, zum Beispiel nach Abtorfung. Nur auf naturnahen Flächen, wie am Rand größerer Torfschilde, kommt die Wenigblütige Segge (Carex pauciflora) vor, in einigen Mooren des Projektgebietes, so zum Beispiel im Laubeck-Moor, Schonach, in sehr großen und individuenreichen Beständen.
Viele Bestände des Braunseggensumpfes liegen innerhalb gemähter oder beweideter Grünlandflächen. Um sie besser nutzbar zu machen, sind diese Bereiche oft entwässert worden, wodurch sie im Sommer stark austrocknen können. Wo eine Düngung unterblieb, finden sich häufig Arten der Magerrasen wie Arnika (Arnica montana) und Borstgras (Nardus stricta). Auf den nährstoffreicheren Flächen stellen sich Arten der Naßwiesen ein. Die Waldbinse (Juncus acutiflorus), die auch im naturnahen Braunseggensumpf vereinzelt vorkommt, tritt nun verstärkt auf, des weiteren die Faden-Binse (Juncus filiformis), der Sumpf-Hornklee (Lotus uliginosus), das Hain-Vergißmeinnicht (Myosotis nemorosa) und andere. Eine starke Beweidung solcher Flächen wird durch das Vorkommen der Flatter-Binse (Juncus effusus) und des Flammenden Hahnenfußes (Ranunculus flammula) angezeigt. Wo die Intensität der Bewirtschaftung steigt, finden sich auch vermehrt Arten des Wirtschaftsgrünlandes wie Wolliges Honiggras (Holcus lanatus) und Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris).
Großflächige naturnahe Ausbildungen des Braunseggensumpfes sind eher selten und beschränken sich meist auf die großen Moorkomplexe. Schöne Bestände findet man zum Beispiel im Laubeck-Moor oder im Gebiet Farnberg entlang der Elz. Kleinere Vorkommen der Gesellschaft, vor allem in der zur Naßwiese tendierenden Ausbildung, sind in den Hochlagen des Gebietes, bevorzugt auf leicht vermoorten Verebnungen, häufig anzutreffen. Eine akute Gefährdung des Vegetationstyps als solchem liegt hier nicht vor. Allerdings ist in vielen Fällen eine zunehmende Veränderung der Bestände durch Nutzungsintensivierung zu spüren.
In den Bereichen des Projektgebietes, die dem Tälerschwarzwald zugehören, ist der Braunseggensumpf eine seltene Erscheinung geworden. In den steil eingeschnittenen Tälern beschränkte sich sein Vorkommen auf kleinere Verebnungen innerhalb quellig-vermoorter Hänge und auf vermoorte bis versumpfte Talböden. Die meisten dieser Flächen sind durch Entwässerung und Düngung bereits in produktionskräftigere Naßwiesen umgewandelt oder wurden aufgeforstet. Nur stellenweise findet man noch kleinere Überreste des Braunseggensumpfes auf Flächen, die einer intensiveren Bewirtschaftung bisher entgangen sind. Die noch vorhandenen wenigen Bestände sind stark gefährdet und langfristig nur über Schutzmaßnahmen zu erhalten.
Naturnahe Bestände des Braunseggensumpfes bedürfen zur Erhaltung keiner Pflege. Das Aufkommen von Gehölzen ist in diesen Flächen selten und eine Verbrachung tritt nicht ein. Eine Pflege ist nur dort notwendig, wo Flächen bereits gestört sind.
Die schonendste Pflege ist die Mahd, wodurch das Gehölzaufkommen unterbunden wird. Durch das Kurzhalten wüchsiger Arten wird die Verdrängung der konkurrenzschwachen Arten des Braunseggensumpfes verhindert. Diese Art der Pflege ist jedoch sehr arbeitsintensiv, da in den meisten Fällen nur mit dem Motormäher, stellenweise sogar nur von Hand gemäht werden kann, denn auf den nassen Flächen würde schweres Gerät starke Schäden verursachen. Auch das Schwaden und Aufladen muß überwiegend von Hand geschehen, und oft muß das Mähgut mühsam aus den Flächen herausgetragen werden. Es ist bewundernswert, welche Anstrengungen manche Landwirte heutzutage noch auf sich nehmen, um Moorflächen schonend zu pflegen. Häufig findet sich jedoch selbst bei guter Entlohnung niemanden mehr, der zu dieser Art Arbeit bereit ist.
Eine weitere Form der Pflege ist die Beweidung. Für den Braunseggensumpf stellt sie jedoch nur eine Alternative zweiter Wahl dar, da es durch Trittbelastung und Nährstoffeintrag zu Störungen kommt. Während bei sehr extensiver Beweidung durch Jungvieh die Störungen in erträglichem Maße bleiben, kann die Beweidung durch ausgewachsene Kühe und Rinder zu nachhaltiger Zerstörung einer Fläche führen. An Stelle jedoch, wo eine buckelige Oberfläche und reichlich Gehölzstrukturen oder Steinblöcke die Mahd erschweren, oder wo eine Mahd aus personellen Gründen nicht durchgeführt werden kann, ist eine Pflege durch Beweidung nicht zu umgehen.
Weitgehend naturnahe Braunseggensümpfe sollten nicht beweidet werden. Falls eine Pflege durch Mahd in solchen Beständen nicht möglich ist, ist für solche Flächen eine gelenkte Sukzession vorzuziehen. Dabei bleibt die Fläche sich selbst überlassen, lediglich das Verbuschen wird durch Herausnahme des Gehölzjungwuchses unterbunden. Diese Art der Pflege kann auch für die Bestände gewählt werden, die zum Übergangsmoor tendieren. Hier besteht die Chance, daß ehemals vorhandene Störungen mit der Zeit ausheilen und ein naturnaher Gleichgewichtszustand erreicht wird, der ohne Pflege erhalten bleibt.
Im Bereich von Sickerquellen und ziehendem Wasser findet man den Herzblatt-Braunseggensumpf, eine besonders blumenbunte Niedermoorgesellschaft, die dem Braunseggensumpf nahe verwandt ist. Er ist ebenfalls eine von Kleinseggen geprägte Vegetationseinheit, an deren Standorte das Grundwasser ganzjährig bis nahe der Oberfläche steht. Im Gegensatz zum Braunseggensumpf mit stagnierendem Wasser ist das Wasser im Herzblatt-Braunseggensumpf bewegt, wodurch die Wurzeln der Pflanzen besser mit Sauerstoff, Mineral- und Nährstoffen versorgt werden.
In der Literatur wird der Herzblatt-Braunseggensumpf als Gesellschaft basenreicher, aber kalkfreier Standorte beschrieben (GÖRS 1974, DIERSSEN 1984, GRÜTTNER 1987). In den Mooren des Projektgebietes stehen der Braunseggensumpf und der Herzblatt-Braunseggensumpf nebeneinander auf gleichem Untergrund, d. h. basenarmem Granit oder etwas basenreicherem Gneis. Das Ionen-Angebot aus dem geologischen Untergrund scheint bei der Differenzierung der Standorte hier also keine entscheidende Rolle zu spielen. Es wird daher vermutet, daß hauptsächlich die Mobilität des Wassers im Wurzelbereich der Pflanzen und die damit einhergehende Nachlieferung von gelösten Stoffen entscheidet, welche Pflanzengesellschaft ausgebildet ist.
Eine gewisse Torfauflage ist an den Standorten meist vorhanden, jedoch ist sie immer gering. Die Bildung stärkerer Torfauflagen wird durch den Einfluß des bewegten Wassers verhindert, da die bessere Sauerstoffversorgung die Tätigkeit streuzersetzender Bakterien und Pilzen fördert.
Die Dynamik der Wasserbewegung spielt in einem Moor bei der Ausbildung unterschiedlicher Standorte eine wichtige Rolle. In den größeren Moorkomplexen des Gebietes kommt es oft zu reicher Mosaikbildung, die durch unterschiedliche Torfmächtigkeit an ihrer Oberflächengestalt zu erkennen ist. Übergangsmoor und Braunseggensumpf sind durch mehr oder weniger mächtige Torfauflagen eher emporwölbt. Die quelligen Bereiche mit sehr geringer Torfauflage fallen darin durch ihre eingesenkte Oberfläche auf; sie erscheinen als wassergefüllte Dellen im Moor. Innerhalb des Herzblatt-Braunseggensumpfes ist die Oberfläche häufig buckelig und bultig. Am tiefsten liegen die Bereiche der (oft zahlreichen) Quellaustritte. Dies sind zum Teil offene Wasserstellen von weniger als einem bis mehreren dm² Fläche. Anschließend an die Quellaustritte ziehen sich kleinere Rinnen und Senken, die immer wieder von unterschiedlich großen Torfbulten durchsetzt sind, die sich in strömungsberuhigten Bereichen bilden konnten.
Das Artengrundgerüst des Herzblatt-Braunseggensumpfes ist dem des Braunseggensumpfes ähnlich. Allerdings ist die Artenzahl auf den besser versorgten Standorten des Herzblatt-Braunseggensumpfes weitaus größer als auf den vergleichsweise armen Standorten des Braunseggensumpfes. So kann man auf einem Quadratmeter im Herzblatt-Braunseggensumpf bis 30 Pflanzenarten und mehr finden, während es im Braunseggensumpf oft nur bi 15 Arten sind (DIERSSEN 1984: 64 u. 78). Folgende Arten, die im Herzblatt-Braunseggensumpf des Gebietes häufig bis regelmäßig anzutreffen sind, fehlen gewöhnlich im Braunseggensumpf:
Carex
demissa Carex pulicaris
Parnassia palustris Pedicularis
sylvatica
Sphagnum subsecundum Sphagnum warnstorfii
In den Hochflächen des Gebietes zwar verbreitet, aber immer selten und nur sehr kleinflächig entwickelt, findet man im Herzblatt-Braunseggensumpf Quellflurbereiche auf Mineralboden, die weitgehend vegetationsfrei sind oder überwiegend von Moosen besiedelt werden. Das nährstoffarme Quellwasser und die gleichbleibend kalten Temperaturen der Quellaustritte schaffen für höhere Pflanzen sehr ungünstige Wachstumsbedingungen (BOGENRIEDER 1982: 275). Spezielle Moosarten sind an diese kalt-stenothermen Bedingungen angepaßt (KAMBACH u. WILMANNS 1969).
Das Moos Warnstorfia exannulata gehört darunter zu den weiter verbreiteten Arten und wurde regelmäßig an diesen Standorten beobachtet. Wesentlich seltener, aber dennoch an vielen Stellen anzutreffen waren Scapania paludosa und Philonotis seriata. Dies sind zwei bei uns seltene, arktisch-alpin verbreitete Moosarten, die im Schwarzwald bisher vor allem aus den Hochlagen des Feldberges bekannt waren (HERZOG 1948, BERTSCH 1966). Neben den primären, durch extreme Bedingungen entstandenen Standorten, findet man diese Moosarten gelegentlich auch an sekundär entstandenen offenen Wasserstellen, wie in Gräben oder in Trittspuren von Weidetieren. Immer liegen solche Stellen aber in unmittelbarer Umgebung natürlicher Quellaustritte. Die sekundären Standorte werden überwiegend durch die weit verbreiteten Moosarten Philonotis fontana und Dicranella palustris besiedelt (PHILIPPI u. OBERDORFER 1974). Bei den Arten Scapania paludosa, Philonotis seriata und Dicranella palustris ist eine spezielle Anpassung an kalte Quellen nachgewiesen (BOGENRIEDER & ESCHENBACH 1996): Danach sind diese Moose zu höherer Photosyntheseleistung befähigt, wenn sie von kaltem Wasser (5-10° C) durchströmt werden.
Die Quellaustritte im engeren Sinne sind innerhalb des Herzblatt-Braunseggensumpfes nur sehr kleine Bereiche. Die durch kalte Temperaturen und geringes Nährstoffangebot verursachten oligotrophen Standortbedingungen wirken sich auch noch im Umfeld der Quellaustritte aus, so daß in diesem Einflußbereich besonders konkurrenzschwache Pflanzenarten vorkommen können. Häufig findet man hier individuenreiche Bestände von Fettkraut (Pinguicula vulgaris) und Sonnentau (Drosera rotundifolia), zwei carnivore Pflanzenarten, die einen Teil ihrer Nährstoffe durch das Fangen von kleinen Insekten erhalten. Die Moosbeere (Vaccinium oxycoccus), eine typische Hochmoorpflanze, durchzieht mit ihrem feinen Gespinst und ihren kleinen Blättchen die Moosdecken solcher Stellen. Das Vorkommen des Moor-Klees (Trifolium spadiceum) und der Zweihäusigen Segge (Carex dioica), zwei sehr seltene und stark gefährdete Moorpflanzen, beschränkt sich im Gebiet weitgehend auf diese Standorte.
Innerhalb des Herzblatt-Braunseggensumpfes existiert auf Standorten mit relativ hohem Basenangebot (Kalk?) eine Ausbildung mit einzelnen Arten der Kalkflachmoore (PHILIPPI 1974b: 243). Bekannt sind solche Bestände im Schwarzwald vor allem im Feldberggebiet, wo neben den basenkräftigen Gneisen vor allem Kalkspatadern für die nötige Basenzufuhr sorgen. Im Gebiet um den Rohrhardsberg fehlen solche Kalkvorkommen, allerdings sind auch hier vereinzelt Arten der Kalkflachmoore (und der angrenzenden Zwischenmoore) zu finden:
Epipactis
palustris Trichophorum alpinum Carex
lasiocarpa
Salix repens Eriophorum latifolium Carex
flava s. str.
Diese Arten sind im Mittleren Schwarzwald überaus selten oder waren teilweise gar nicht bekannt. Es stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem (wenn auch seltenen) Auftreten sogenannter „Kalkarten“ und dem Standort gibt, oder ob diese stark vereinzelten Vorkommen Zufallsbesiedlungen sein können. Ein Blick auf die Moosflora dieser Standorte scheint eine Antwort zu geben. An jedem Fundorten der obengenannten Arten existieren immer Quellaustritte, in deren Umgebung eine Reihe von Moosarten vorkommt, die in Kalkflachmooren ihren Verbreitungsschwerpunkt hat:
Campylium
stellatum Tomenthypnum nitens
Bryum pseudotriquetrum Riccardia pinguis
Drepanocladus
intermedius
Wenn man in anderen Beständen des Herzblatt-Braunseggensumpfes nach dieser Moosgruppe Ausschau hält, so stellt man fest, daß diese Standorte im Gebiet gar nicht so selten sind; selten ist hier nur das Vorkommen von höheren Pflanzen, die diesen Standorttyp anzeigen.
Ob das Vorhandensein von Kalk oder eine allgemein höhere Basensättigung den Standort prägen, steht nicht fest. Interessant ist, daß solche Standorte sowohl über Gneis, als auch über Granit zu finden sind. Gerade der Granit gilt aber als besonders basenarmes Gestein. Von Felsstandorten im Gneis kennen wir, daß besonders in sickernassen Spalten basi- bis neutrophile Moose auch an Silikatgesteinen vorkommen können (PHILIPPI 1972). Dies läßt sich durch Kluftfüllungen aus Calcit erklären, „dessen Calciumanteil aus der Zersetzung entsprechender Gesteinsminerale (Plagioklas und Hornblende,...) entstammt.“ (WIMMENAUER 1982: 221) . Im Granit sind solche Kalkvorkommen bisher nicht bekannt und wären sehr ungewöhnlich (WIMMENAUER mündl.).
Nach Entwässerung und Düngung verändert sich der Herzblatt-Braunseggensumpf in ähnlicher Weise wie der Braunseggensumpf: Arten des Grünlandes treten verstärkt auf und die Moorarten verschwinden. In der direkten Umgebung der Quellaustritte können sich jedoch noch lange nährstoffarme Bedingungen halten, da eingebrachte Nährstoffe vom Quellwasser ausgespült werden. So finden sich innerhalb einer aufgedüngten und stark bewirtschafteten Fläche gelegentlich noch kleinste Bereiche, in denen Fragmente eines Herzblatt-Braunseggensumpfes erhalten sind.
In den tieferen Tallagen des Gebietes finden sich Standorte des Herzblatt-Braunseggensumpfes wenn auch nicht häufig, so aber doch regelmäßig an quelligen Hangbereichen. Allerdings sind diese Standorte zum größten Teil derart aufgedüngt, daß der Herzblatt-Braunseggensumpf weitgehend in Naßwiese umgewandelt und nur noch in kleinen Fragmenten erhalten ist. Typische Bestände sind überaus selten und sehr gefährdet. Einzelne intakte Bereiche existieren noch im Hinterprechtal im Holzgrund, bei Lampertsbach am Gieshübel oder bei Landwasser im Gründobel.
In den Hochlagen des Gebietes ist der Herzblatt-Braunseggensumpf in quelligen Mulden innerhalb Wiesen und Weiden, in Hangmoorkomplexen; aber auch im Zuflußbereich flacher Moorkomplexe noch reichlich vorhanden. Bemerkenswert ist hier die floristische Vielgestaltigkeit der Bestände und das Vorkommen seltener Arten in einzelnen Flächen, meist in Verbindung mit den besonders basenreichen Quellaustritten. Diese liegen einzeln im Gebiet verstreut und treten nur stellenweise gehäuft auf, wie südlich von Schönwald am Oberlauf der Gutach und westlich vom Blindensee-Moor. Da diese Bestände in der Regel nur sehr kleinflächig entwickelt sind und viele der seltenen Arten nur an einer Stelle vorkommen, ist hier starke Gefährdung vorhanden, zumal einige Flächen direkt an intensiv bewirtschaftetes Grünland grenzen.
Die Bestände des Herzblatt-Braunseggensumpfes liegen meist innerhalb anderer pflegebedürftiger Flächen wie Naßwiesen, Magerrasen und Übergangsmoor und werden gemeinsam mit diesen gepflegt. Neben der Mahd ist hier auch eine extensive Beweidung mit Jungvieh (schwächere Trittbelastung als ausgewachsene Tiere) als schonende Pflegemaßnahme geeignet, wie dies an bereits beweideten Flächen festzustellen ist. Durch Viehtritt in geringem Umfang werden in den Flächen Kleinstandorte geschaffen, die, zum Teil von quelligem Wasser durchflossen, von Besiedlern lückiger Standorte eingenommen werden, so daß sich die Vielgestaltigkeit der Bestände erhöht. Wo der Weidedruck allerdings zu groß wird, können sich solche Bestände auch in „Schlammwüsten“ verwandeln, die später von unspezifischen Pionierpflanzen besetzt werden. Seltene Arten können in diesenFlächen meist nicht mehr Fuß fassen. In einigen Moorkomplexen, so im NSG „Blindensee-Moor“, gibt es Bestände von Herzblatt-Braunseggensumpf, die seit längerem nicht mehr bewirtschaftet werden und keine Verbrachungserscheinungen zeigen. Zumindest für naturnahe Bestände scheint eine Pflege nicht unbedingt notwendig zu sein. Die Entwicklung solcher Bestände kann jedoch nicht immer mit Sicherheit vorausgesagt werden, deshalb soll eine regelmäßige Kontrolle der Flächen eine aufkommende Verbuschung verhindern.
Im Gebiet von Schonach wurden im Wald mehrere kleine baumfreie Flächen gefunden, in denen die Waldbinse (Juncus acutiflorus) zwar meist lückig, aber doch bestandsbildend auftritt. Es sind in der Regel nur schmale (20-30 m breite), langgestreckte Auflichtungen, die vernäßten Bodensenken und Hangrinnen folgen. Der Untergrund ist anmoorig bis schwach vermoort, das Grundwasser steht ganzjährig bis dicht an die Oberfläche. Außerhalb des Waldes wäre an solchen Standorten je nach Wasserzügigkeit vermutlich ein Braunseggensumpf oder ein Herzblatt-Braunseggensumpf vorhanden. Die zumeist stark mit Torfmoosen durchsetzten Flächen zeigen bezüglich ihres Arteninventars eine größere Nähe zu den Kleinseggenrieden als zu den nach der Waldbinse benannten Silikat-Binsenweisheiten. Die Aufnahmen in Tabelle 1 zeigen typische Bestände solcher Stellen. Folgende Arten erscheinen in diesen Flächen mit hoher Stetigkeit:
Juncus
acutiflorus Viola palustris
Potentilla erecta Carex
rostrata
Agrostis canina Sphagnum
fallax
Carex fusca Dactylorhiza
maculata
Waldbinsenwiesen sind vor allem im subatlantischen bis submediteranen Raum verbreitet (GOEBBEL 1995: 167 ff.) und dort von vielen Autoren eingehend untersucht. Für Westeuropa stellt DE FOUCAULT (1984) in einer Neuordnung der pflanzensoziologischen Einheiten die Waldbinsenwiesen acidokliner nährstoffarmer Standorte zusammen mit den acidoklinen Kleinseggenrieden in eine Ordnung Junco-Caricetalia nigrae innerhalb einer neu gefaßten Klasse Caricetea fuscae und trennt sie damit vom eigentlichen Wirtschaftsgrünland einschließlich der Naßwiesen (Calthion) ab. Die Waldbinsenmoore von Schonach lassen sich nach dieser Einteilung vermutlich besser bei den atlantischen Waldbinsenwiesen einordnen, als bei den von Arten des Wirtschaftsgrünlandes geprägten Silikat-Binsenwiesen einordnen, sogar dann, wenn ausgesprochen atlantische Arten fehlen.
Die verhältnismäßig kleinen Flächen im Wald sind Auskühlung und Verdunstung nicht so stark ausgesetzt wie Flächen außerhalb des Waldes. Dadurch ergibt sich ein leicht atlantisch getöntes Kleinklima in den Beständen: gleichbleibende Feuchtigkeit und abgemilderter Temperaturgang. Es wäre denkbar, daß viele heutigen Kleinseggenriede in der bewaldeten Urlandschaft ähnliche kleine Bestände gebildet hatten, wie die im Gebiet vorkommenden Waldbinsenmoore. Die Bewirtschaftung solcher Flächen und ihre Ausweitung auf angrenzende Sekundärstandorte veränderten die edaphischen und mikroklimatischen Bedingungen. Dadurch konnten Arten der primär großflächig offenen Niedermoore (am Rand von Hochmooren) in diese sekundär offengestellten Flächen einwandern.
Es läßt sich nicht mit Sicherheit nachweisen, ob die waldfreien Waldbinsenmoore des Gebietes Primärstandorte darstellen. Die Grenze zwischen Wald und offener Fläche scheint nicht bewirtschaftungsbedingt, sondern entlang standörtlicher Parameter zu verlaufen. Einige der Flächen werden seit 40 und mehr Jahren nicht mehr genutzt und zeigen keine Tendenz zur Veränderung. Eine ganze Gruppe von Flächen am steilen Westabfall des Herrenwälderberges ist nach Angaben von Forst und Landwirten „nie“ genutzt worden. Zumindest zeigt die geologische Karte von 1899 (SAUER) schon damals an dieser Stelle einen geschlossenen Waldbestand (also keine Wiesen- oder Weidenutzung). Die Bestände scheinen sehr stabil zu sein.
Im Projektgebiet wurden Waldbinsenmoore nur in Schonach auf dem Höhenzug vom Herrenwälderberg bis zur Wilhelmshöhe gefunden, dort jedoch an mehreren Stellen. Derartige Bestände sind keine auf den Mittleren Schwarzwald beschränkte Erscheinung. Ganz ähnliche Bestände beschreibt GOEBEL (1995: 172 u. 174 und Tabelle 9, Spalte 1, a, ab im Anhang) in kollinen Lagen aus dem Rhein-Main Gebiet.
Eine aktuelle Gefährdung für die Flächen besteht nicht, da sie im Wald liegen und nicht genutzt werden. Größere Kahlschläge mit anschließenden Aufforstungsmaßnahmen könnte die Bestände allerdings bedrohen.
Die Bestände der Waldbinsenmoore sind potentiell waldfrei und bedürfen daher keiner Pflege.
Durch starkes Wachstum von Torfmoosen kann sich die Oberfläche eines Moores so weit emporwölben, daß die darauf wachsenden Pflanzen das mineralhaltige Grundwasser nicht mehr erreichen und nur noch durch mineral- und nährstoffarmes Regenwasser versorgt werden; man spricht dann von einem Hochmoor. Die Torfmoose sind zum überwiegenden Teil and der Bildung des Hochmoortorfes beteiligt. Diese Moose können das 15-25fache ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen (OVERBECK u. HAPPACH 1957), indem sie sich wie ein Schwamm vollsaugen. Eine durchgehende Torfmoosdecke führt zu einem Luftabschluß für die tieferen Schichten. Das Wachstum für Pflanzen mit tiefreichendem Wurzelsystem (wie z.B. Bäume) wird dadurch erschwert bis unmöglich. Intakte Hochmoore sind daher von Natur aus waldfrei.
Durch die Sauerstoffarmut wird die Tätigkeit der streuzersetzenden Bakterien und Pilze stark beeinträchtigt. Während Eiweiße noch abgebaut werden können, bleiben Zellulose (Zellwandstrukturen), Sporopollenin (Hülle von Sporen und Pollen) und Lignin (Holz) weitgehend unzersetzt. Die unzersetzte Pflanzenstreu bildet den Torf.
Torfmoose zeigen erstaunliche Wuchsleistungen. Je nach Art kommt es zu einem jährlichen Zuwachs von einigen Zentimetern bis zu einem halben Meter (WILMANNS 1984: 248). Im Durchschnitt wächst eine Hochmooroberfläche im Jahr zwischen 2-10 cm in die Höhe. Da die Torfmoose beim Absterben zusammengedrückt werden, ist der jährliche Zuwachs der Torfdecke jedoch weitaus geringer und liegt bei etwa 1 mm. Über die Jahrtausende kommt es auf diese Art zu enormen Torflagern. Bei einigen Hochmooren des Projektgebietes werden Torfmächtigkeiten von mehreren Metern erreicht. So wurde im Wolfbauernmoor eine Torfmächtigkeit von 6 m gemessen (SAUER 1899: 34), im Blindensee-Moor von über 7 m (HÖLZER 1977: 20).
Die Lebensbedingungen im Hochmoor sind extrem ungünstig und bieten nur wenigen Spezialisten geeignete Bedingungen. Dem äußerst geringen Mineral- und Nährstoffangebot (zum Beispiel durch Staub- und Polleneintrag) begegnen die Zwergsträucher (ausschließlich Ericaceen) der Hochmoore durch Symbiose mit Wurzelpilzen (Mykorrhiza). Wie im vorangegangenen Kapitel erwähnt, erhält der Sonnentau (Drosera rotundifolia) Nährstoffe über den Fang von Insekten. Die Torfmoose besitzen in ihren Zellwänden Polyuronsäuren, wodurch diese als Kationentauscher wirken. Durch passive Prozesse werden Protonen an der Zellwand gegen Kationen aus der Umgebung ausgetauscht. Die Pflanze kann diese Kationen dann über aktiven Zellwandtransport in die Zelle aufnehmen, wodurch gleichzeitig der Kationentauscher durch Protonen aus dem Zellinnern regeneriert wird. Durch diese Prozesse wird das Milieu in Torfmoosbeständen stark angesäuert. HÖLZER (1977: 61) hat im Blindensee-Moor einen durchschnittlichen pH-Wert von 3.0-3.3 im Hochmoorkomplex gemessen, das entspricht etwa dem pH-Wert von Haushaltsessig.
Das Mikroklima in Hochmooren zeichnet sich durch starke Temperaturschwankungen aus. Die Torfmoose besitzen eine gute Isolationswirkung (vor allem in trockenem Zustand), so daß sich die Mooroberfläche bei Sonneneinstrahlung stark erwärmt. Nachts kommt es in Hochmooren dagegen selbst im Hochsommer häufig zu Bodenfrost, da sich der Torfkörper tagsüber nur an der Oberfläche erwärmt und bei nächtlicher Ausstrahlung keine Wärme aus dem Boden nachgeliefert werden kann. HÖLZER (1977: 56) maß im Blindensee-Moor an einem Augusttag in einem Torfmoosbult am frühen Morgen 0° C, am Mittag 45° C. Es ist auffällig, daß die hochmoorbewohnenden Gefäßpflanzen ähnliche xerophytische Merkmale besitzen wie Pflanzen trockener und heißer Standorte. Der Torfkörper der Moore ist zwar mit Wasser vollgesogen, an der Oberfläche können die Torfmoose jedoch auf bultigen Erhebungen leicht austrocknen. Da die Pflanzen infolge des Sauerstoffmangels im Untergrund nur sehr flach wurzeln, müssen zumindest die bultenbewohnenden Arten neben anderen Einschränkungen auch an Trockenheit angepaßt sein.
Hochmoore sind im Gebiet ausschließlich in den Hochlagen oberhalb 900 m bevorzugt auf granitischen Untergrund zu finden. Durch die grobsandige Beschaffenheit des Granitgruses wird die Auswaschung der tonigen Verwitterungsprodukte gefördert (SAUER 1899). In Mulden und Senken sammelt sich das Feinmaterial und bildet dichte wasserstauende Schichten, was in den Höhenlagen meist zu Vermoorung führt. In den breiten und flach streichenden Tälern und an den sanft geneigten Hängen der danubisch geformten Regionen von Schonach und Schönwald sind Vermoorungen keine Seltenheit. In der Geologischen Karte (Blatt Triberg) von 1899 (SAUER) sind zahlreiche Flächen mit der Signatur für Hochmoortorf eingezeichnet. Heute sind jedoch nur sehr wenig echte Hochmoore vorhanden. Diese Diskrepanz kann vermutlich zum Teil dadurch erklärt werden, daß der Begriff „Hochmoor“ früher nicht nur die rein ombrotrophen Hochmoore im heutigen Sinn beschrieb. Im wesentlichen müssen jedoch jahrzehntelange Entwässerungen, Torfgewinnung, Abplaggen und Beweidung dafür verantwortlich gemacht werden, daß weite Hochmoorbereiche zerstört wurden bzw. heute als verheidete Hochmoore und übergangsmoore erscheinen.
Einige der ehemaligen Hochmoore sind heute kaum mehr als solche zu erkennen. Ein Blick auf die Geologische Karte von 1899 (SAUER) zeigt uns, daß das ganze Gebiet um den heutigen Kurpark von Schönwald und der ganze Talgrund von Weißenbach als „Hochmoor“ eingetragen waren. Davon sind nur noch kleine Relikte übriggeblieben, die restlichen Flächen tragen Naßwiesen und Niedermoorkomplexe.
Die Torfgewinnung hatte im Projektgebiet nie die Bedeutung wie in anderen Gegenden, auch wenn viele Hochmoore dadurch zerstört wurden. Nach der Geologischen Karte von 1899 (SAUER) waren schon damals etliche Torfstiche vorhanden, die meist klein und entsprechend des bäuerlichen Bedarfs durchgeführt wurden. Die Bedeutung des Brenntorfes war im Schwarzwald nur gering und dessen Gewinnung beschränkte sich meist auf Notzeiten. Einige Landwirte erinnern sich noch, daß am Ende des 2. Weltkrieges Brenntorf gestochen wurde. Die Gewinnung von Bädertorf war vermutlich eher die Ausnahme, da er eine gewisse Reinheit aufweisen muß, die nur in großen Torflagern zu finden ist. Allerdings wurde das Wolfbauernmoor zwischen dem 1. und dem 2. Weltkrieg zur Gewinnung von Bädertorf abgetorft (HÖLZER 1977: 26). Das Torflager des Blindensee-Moores wurde 1837 zum Betrieb eines Eisenhüttenwerkes verkauft (HÖLZER 1977: 25), zu Torfabbau in größerem Umfang kam es jedoch nicht.
Vor dem Torfstechen, mußten die Moore gründlich entwässert werden, was zu einer einschneidenden Veränderung der Nährstoffverfügbarkeit in den Mooren führt. Durch die Abtrocknung gelangt Luft in den Moorkörper, wodurch die Zersetzung des organischen Materials möglich wird. Der veränderte Wasserhaushalt und die freigesetzten Nährstoffe ermöglichen das Wachstum ubiquitärer Pflanzenarten, die die spezialisierten Hochmoorarten verdrängen.
Das Abplaggen war eine weitere Form der Moornutzung. Dabei wurde die obere lebende Schicht des Hochmoores abgezogen. Die derart gewonnenen Plaggen wurden unter die Stallungen gefüllt, um die abfließende Jauche aufzunehmen. Diese Füllungen wurden einmal im Jahr gewechselt und als Dünger verwendet (JÄCKLE mündl.).
Da in den moorreichen Gebieten von Schönwald und Schonach Weideflächen rar waren, sollten durch Entwässerung der Moore landwirtschaftliche Flächen hinzugewonnen werden. SAUER (1899: 43) empfiehlt als Meliorationsmaßnahme für Torfböden des Gebietes das Auffahren von Granitgrus in Verbindung von Düngung mit Ätzkalk, Holzasche oder Thomasmehl. Wie viele Moore auf diese Art tatsächlich „verbessert“ wurden, ist nicht bekannt. Eine Entwässerung und Beweidung hat jedoch in den meisten Mooren stattgefunden.
Die aktuell noch am besten erhaltenen Hochmoore im Gebiet sind bereits unter Schutz gestellt:
NSG
„Blindensee-Moor“ NSG „Briglirain“
NSG „Elzhof“ FND „Martinskapelle“
Kleinere Hochmoore (z. B. bei der Sauermatten) oder Reste von Hochmooren (z. B. im Wolfbauernmoor) sind derzeit noch ohne Schutz, Bestrebungen dazu sind jedoch im Gange.
Beeinträchtigungen kommen auch in den unter Schutz gestellten Mooren vor. Durch das Moorzentrum des Blindensee-Moores führt ein Wanderweg. Dieser ist zwar vorbildlich über einen Holzsteg geführt, ein breiter Streifen beiderseits des Weges ist jedoch bereits von Besuchern, die in den dichten Spirkenbeständen ihre Notdurft verrichten, eutrophiert. Am Moorsee ist die typische Ufervegetation durch Trittbelastung bereits zerstört.
Hochmoore sind primäre Vegetationseinheiten, die sich ohne den Einfluß des Menschen Jahrtausende erhalten konnten. Wo diese Standorte noch einigermaßen natürlich sind, bedürfen sie keiner Pflege. Voraussetzung für die Erhaltung ist ein intakter Wasserhaushalt und das Vermeiden von Störungen wie Nährstoffeintrag oder mechanische Schädigungen.
Viele Torfmoosarten weisen eine kräftige Färbung auf, die vor allem im Spätjahr besonders gut ausgeprägt ist. Die zwei bezeichnenden Torfmoose der Hochmoore, Sphagnum magellanicum und Sphagnum rubellum, färben sich an sonnigen Standorten intensiv rot. In Verbindung mit anderen Torfmoosen, die die Farbtöne Grün, Gelb, Orange und Braun zeigen, bildet sich ein prächtiger Farbenteppich, der die ganze Hochmoorfläche einnimmt. Bei diesem Anblick erscheint der häufig benutzte Ausdruck vom „düsteren Hochmoor“ unverständlich (z.B. SAUER 1899: 4). Die Bunte Torfmoosgesellschaft ist typisch für die montanen Hochmoore Mitteleuropas. Neben den bezeichnenden Torfmoosen sind höhere Pflanzen nur spärlich vertreten. Charakteristisch sind das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum), die Rosmarinheide (Andromeda polifolia), die Moosbeere (Vaccinium oxycoccus), das Heidekraut (Calluna vulgaris) und der Sonnentau (Drosera rotundifolia). Vereinzelt kommen auch Spirken (Pinus rotundata) auf, die im intakten Hochmoor jedoch nur klein bleiben und geringen Zuwachs zeigen (GRÜTTNER 1987: 220).
Die Oberfläche der Torfmoosdecke ist mehr oder weniger bultig. Durch geringfügige Höhenunterschiede entstehen verschiedene Kleinstandorte, die unterschiedlich besiedelt werden. Sphagnum rubellum wächst überwiegend auf den Bulten, in der Regel zusammen mit Sphagnum magellanicum. Letztere Art kommt jedoch auch in den flachen Partien zwischen den Bulten vor, wo auch andere Torfmoose zu finden sind, wie Sphagnum angustifolium, Sphagnum palustre und seltener auch Sphagnum papillosum. Die Bultkronen werden oft von Polytrichum strictum eingenommen. Die Moosbeere überzieht mit ihrem feinen Gespinst aus Kriechtrieben die gesamte Oberfläche, erreicht jedoch auf den Bulten die größte Dichte. Die Rosmarinheide bevorzugt die flachen Senken zwischen den Bulten, die überwiegend von dem Torfmoos Sphagnum fallax ausgefüllt werden.
Hohe Bulte trocknen verhältnismäßig leicht aus. Das Torfmooswachstum ist hier reduziert, Heidekraut und das Moos Polytrichum strictum breiten sich aus. Wo das Wachstum der Torfmoose auf den trockensten Bulten zum Stillstand kommt, entwickelt sich das Heidekraut besonders gut. Dieser Zustand wird zudem meist durch das Auftreten des Mooses Pleurozium schreberi und der Rentierflechten Cladonia arbuscula und Cladonia rangiferina angezeigt.
Die Bunte Torfmoosgesellschaft kommt in allen Hochmooren des Gebietes vor und ist oft, vor allem im Hochmoor-Zentrum, die dominierende Gesellschaft. Allerdings ist sie in ihrem Vorkommen nicht auf die Hochmoore beschränkt; ihre einzelnen Arten kommen auch in anderen Moorgesellschaften vor. Die Gesellschaft kann kleinflächig in Niedermooren auftreten, wenn sich durch Bultenbildung einzelne Bereiche über den Grundwasserspiegel erheben. Die Rosmarinheide bleibt im Projektgebiet zumindest auf die eigentlichen Hochmoorflächen beschränkt und kann als Zeigerart verwendet werden.
In intakten Hochmooren finden sich - meist im baumfreien Zentrum - sehr nasse Schlenken, die wie wassergefüllte Risse den Moorkörper durchziehen. Diese Strukturen werden von dem Torfmoos Sphagnum cuspidatum ausgefüllt, das meist eine sehr hellgrüne (bis grünbraune) Färbung besitzt, so daß sich die Schlenken innerhalb der Rot bis Braun gefärbten Umgebung besonders hervorheben.
In den Hochmooren des Gebietes sind Schlenken sehr selten, sie kommen nur vereinzelt im Blindensee-Moor, im Elzhof-Moor und im Briglirain vor. DIERSSEN (1984: 386) erwähnt Schlenken von dem Moor „Auf'm Bühl“ bei Schönwald, die vom Autor jedoch nicht mehr gefunden werden konnten.
Die namengebende Schlamm-Segge (Carex limosa), tritt im Gebiet sehr vereinzelt im Nieder- und Übergangsmoor auf; in den Hochmoorschlenken des Gebietes ist die Art jedoch nicht vorhanden. Eine weitere Charakterart, die Blumenbinse (Scheuchzeria palustris), kommt dafür regelmäßig in den Schlenken vor. Sie beschränkt sich auf die Schlenken oligotropher Moore und gilt als Reliktart; Sekundärstandorte vermag sie nicht zu besiedeln. Sie ist daher ein Zeiger für ungestörte Standorte. Das Schlenkenmoos Sphagnum cuspidatum findet sich dagegen gelegentlich auch in nährstoffarmen Gräben und Weihern. Im Wolfbauernmoor besiedelt es „sekundäre Schlenken“, die durch Viehtritt im Hochmoor entstehen.
Im südlichen und Mittleren Schwarzwald kommt die Spirke (Pinus rotundata s. str.), die aufrechte Form der Bergkiefer, vor, im Nordschwarzwald dagegen die krummholzartige Form (Pinus rotundata var. pseudopumilo). Die mit Spirken bestandene Form der Bunten Torfmoosgesellschaft nimmt die größten Bereiche der Hochmoore des Gebietes ein. Am mineralstoffreicheren Moorrand kann diese Baumart eine Höhe von 10-12 m erreichen, zum Moorzentrum hin wird sie kleiner. Im weitgehend gehölzfreien Zentrum erreicht die Spirke nur noch eine Höhe von ein bis zwei Metern.
Wo die Spirken dichter zusammentreten geht die Deckung der Torfmoose und der lichtbedürftigen Arten zurück und es bildet sich eine Strauchschicht, die überwiegend aus Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) gebildet wird. Gelegentlich ist auch die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) in den Beständen zu finden, vor allem die Heidelbeere zeigt jedoch meist schon gestörte Verhältnisse (z. B. Entwässerung) an. Ansonsten ist die Artenzusammensetzung im Bergkiefern-Hochmoor die gleiche wie in der Bunten Torfmoosgesellschaft, nur mit anderen Mengenanteilen.
Das Rasenbinsen-Hochmoor ersetzt die Bunte Torfmoosgesellschaft in den höchsten Lagen der Mittelgebirge und in den Hochlagen der Alpen. Im Südschwarzwald liegt die Grenze zwischen den beiden Ausprägungen bei 950 bis 1000 m (DIERSSEN 1984: 105). Im Projektgebiet kommt die Hochmoor-Gesellschaft nur in dem in 1080 m Höhe gelegenen Moor am Rohrhardsberg bei der Sauermatte vor. Hier scheint die Grenze höher zu liegen, denn in den anderen Hochmooren des Gebietes zwischen 950 m und 1000 m Höhe, kommt die Rasenbinse (Trichophorum cespitosum) nicht vor.
Eine Sonderstellung nimmt das Moosschachenmoor bei der Martinskapelle in 1085 m Höhe ein, das weder Rasenbinse noch Spirke aufweist. Nach DIERSSEN (1984: 385) handelt es sich um einen seltenen „Übergangstyp“, der floristisch zwischen den beiden Moortypen vermittelt.
Im Moor bei der Sauermatte kommen einzelne Waldkiefern vor, die vermutlich angepflanzt wurden (DIERSSEN 1984: 385). Die Spirke fehlt, da sie in dieser Höhenlage nicht mehr konkurrenzfähig ist. Abgesehen von der Rasenbinse ähnelt die Artenzusammensetzung der Bunten Torfmoosgesellschaft. Stellenweise treten die Torfmoose tzugunsten der Zwergsträucher zurück.
Im Projektgebiet finden sich häufig Moore, in denen Spirken (Pinus rotundata) dichte und hohe Bestände bilden. Oft sind einzelne Fichten, Waldkiefern (Pinus sylvestris) und Karpaten-Birken (Betula pubescens ssp. carpatica) eingestreut. Der Boden ist dicht mit Zwergsträuchern wie Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und Heidekraut (Calluna vulgaris) bewachsen, die in diesen Beständen eine Höhe von 0,5 bis 1 m erreichen. Torfmoose erscheinen nur noch auf kleinen Flecken, dagegen häufen sich Moose , die auf Rohhumus siedeln, so Dicranodontium denudatum oder Dicranella heteromalla. An lichten Stellen wächst das Pfeifengras (Molinia caerulea), auf den trockensten Flächen auch die Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa).
Diese Vegetationszusammensetzung kennzeichnet verheidete Hochmoore: Der Torfkörper ist weitgehend erhalten, jedoch ist der Wasserhaushalt durch Entwässerungen stark gestört und der Moorkörper in den oberen Schichten abgetrocknet, so daß eine mehr oder weniger starke Zersetzung des Torfes eingesetzt hat. Bei einer Wiedervernässung eines solchen Standortes entstehen nicht die gleichen Standortbedingungen wie vor der Entwässerung, da durch die Zersetzung des Torfes Nährstoffe freigesetzt wurden, die diesen durch Nährstoffarmut geprägten Lebensraum nachhaltig beeinflussen.
In Bereichen mi tverheidetem Hochmoor ist auch meist ein Torfstich zu finden, da die Flächen zu diesem Zweck entwässert wurden. Auch wenn die Torfstiche oftmals sehr klein sind, mußten zu ihrer Anlage große Moorflächen entwässert werden (z.B. verheidetes Moor auf dem Herrenwälderberg). Im FND „Torfstich Weißenbach“ dagegen wird die größte Fläche vom Torfstich eingenommen; nur randlich stehen noch hohe verheidete Torfrippen.
Unter Übergangsmoor wird hier allgemein ein Vegetationstyp auf Torf verstanden, der zu einem großen Teil aus Arten der Hochmoore aufgebaut ist und nur durch das Vorkommen einzelner Niedermoorarten einen gewissen Einfluß des Mineralbodenwassers anzeigt. Die Bestände des Übergangsmoors nehmen also eine Zwischenstellung von Nieder- zu Hochmoor ein.
Innerhalb größerer Niedermoorkomplexe gibt es Bereiche, in denen die Torfbildung so weit fortgeschritten ist, daß der größte Teil der Vegetationsdecke nicht (oder kaum) mehr vom Mineralbodenwasser erreicht wird. Dieser Teil setzt sich aus den typischen Arten der Bunten Torfmoosgesellschaft (Sphagnetum magellanici) zusammen. Zwischen den Torfmoosen stehen jedoch noch einzelne Arten des Niedermoores, die tief wurzelnd das mineralführende Bodenwasser noch erreichen:
Carex rostrata Carex
fusca
Eriophorum
angustifolium Menyanthes
trifoliata
Bei den Standorten, die hier als “naturnahes Übergangsmoor“ bezeichnet werden, handelt es sich meist um kleinere Flächen, die zumeist in Talvermoorungen entlang von Bächen liegen (z. B. am Oberlauf der Elz bei Farnberg oder im Turntal), oder die durch Quellbereiche eingeengt sind (z. B. Hintere Vogte, Laubeck). Die Bestände weisen eine mehr oder weniger langestreckte Form auf und sind selten breiter als 100 Meter, in der Regel unter 50 Meter. Die Randeinflüsse sind hier so hoch, daß sich keine Torflager mit den Standorteigenschaften eines Hochmoores ausbilden können
Die Besiedlung solcher Flächen durch bestimmte Niedermoorarten kann jederzeit erfolgen; es muß sich dabei nicht um Relikte eines ehemaligen reinen Niedermoorstandortes handeln. Die oben genannten Niedermoorarten besitzen unterirdische Ausläufer, mit denen sie sich vom Rand aus in den Bestand vorschieben können. Auch eine Besiedlung über Samen ist denkbar, z. B. in Trittlöchern, die durch Wild verursacht wurden.
Ob derartige Übergangsmoore schon in der vom Menschen unberührten Urlandschaft bestanden, kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Zwei seltene Moorpflanzen, der Siebenstern (Trientalis europaea) und die Wenigblütige Segge (Carex pauciflora), zeigen im Gebiet einen Verbreitungsschwerpunkt in den Übergangsmooren; ein schwacher Hinweis darauf, daß es solche Standorte schon früher gab. Die naturnahen Übergangsmoorbereiche südlich des „Korallenhäusle“ am Oberlauf der Elz werden seit mindestens 40 Jahren nicht mehr genutzt (eine frühere Nutzung ist wahrscheinlich, jedoch nicht belegt), eine Besiedelung durch Gehölze ist nicht festzustellen.
Naturnahe Übergangsmoore sind in den moorreichen Hochlagen des Gebietes weit verbreitet. Große zusammenhängende Flächen sind jedoch eher selten, meist handelt es sich um kleine Flecken und Inseln innerhalb größerer Niedermoorkomplexe. Die Einheimischen bezeichnen solche Stellen in ihren Wiesen und Weiden als „Moos“. Das „Moos“ ist bei den Landwirten nicht beliebt, da es kaum Ertrag bringt. Einfache Meliorationsmaßnahmen wie Entwässerung durch Handstichgräben oder Düngung erziehlen nur geringe Ertragssteigerungen. Die meisten Flächen werden daher nur extensiv durch Mahd oder Beweidung genutzt, wodurch die Vegetationsbestände nicht wesentlich gefährdet werden. In neuerer Zeit gibt es allerdings Beispiele vernichtender Eingriffe: so z. B. das Auffahren von Bauschutt und Erdaushub oder das Baggern von bis zu 2 m tiefen Gräben.
Das naturnahe Übergangsmoor bedarf eigentlich keiner Pflege, wenn es in ungestörtem Zustand ist. Einige Flächen sind durch die vorausgegangene Nutzung (vor allem bei intensiver Beweidung oder stärkerer Entwässerung) derart beeinträchtigt, daß Gehölze aufkommen können. Wenn diese regelmäßig (in jungem Zustand) entfernt werden, besteht die Möglichkeit, daß sich die Vegetation mit der Zeit wieder soweit stabilisiert, daß eine Pflege nicht mehr nötig ist. Eine extensive Mahd oder Beweidung ist dort akzeptabel, wo kleine Übergangsmoobereiche innerhalb größerer Niedermoorkomplexe liegen und aus der bestehenden Pflege nicht ausgegrenzt werden können.
Auf den abgeplaggten und abgetorften Hochmoorflächen entstanden sogenannte „Heilsgesellschaften“ (Pflanzengesellschaften, die eine gestörte Fläche wieder besiedeln und damit bestehende Wunden „verheilen“ lassen), die das Artengefüge eines Übergangsmoores besitzen. Durch Störungen der obersten Torfschicht und deren anschließender Zersetzung oder durch Abtorfung bis nahe zum Mineralbodenwasser konnten Niedermoorarten wie Schnabel-Segge oder Braune Segge beeinträchtigte Hochmoorflächen besiedeln. Das Moos Polytrichum commune kann wie das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) in diesen Bereichen Massenbestände entwickeln.
Wenn der Wasserhaushalt des Moorkörpers nicht zu stark beeinträchtigt ist, kann es auf solchen Flächen wieder zum Wachstum von Torfmoosdecken und zu Torfbildung kommen. Ob sich hieraus jedoch bei einem jährlichen Zuwachs von 1 mm Torf jemals wieder ein intaktes Hochmoor bilden kann ist ungewiß.
Vor 50-100 Jahren abgetorfte Hochmoore, die bis zum Mineralbodenwasser abgetorft wurden tragen noch heute ein Schnabelseggenried. Übergangsmoorartige Bedingungen haben sich auf solchen Flächen noch nicht entwickeln können.
Moorregenerationen finden sich an vielen Stellen des Gebietes. Oftmals handelt es sich jedoch nur um kleinere Bereiche in einem Komplex aus verheideten Torfrücken und tiefen, wassergefüllten Torfstichen. Günstigere Voraussetzungen bestehen aber vor allem für Bereiche, in denen die Regeneration auf großen, zusammenhängenden Flächen stattfindet, zum Beispiel im Laubeckmoor, im Hochmoor bei Guten, in Teilgebieten des Moores „Auf'm Bühl“, des Wolfbauernmoores und des Schwarzenbacher Moores. Die beiden letztgenannten Moore werden beweidet. Viehtritt und Eintragung von Nährstoffen beeinträchtigen die Moorregeneration deutlich.
Die Regenerationsflächen sollten ohne Nutzung bleiben. Eine begleitende Pflege kann nötig sein, wenn durch vorausgegangene Störungen Gehölze in der Fläche aufkommen. Wenn diese in noch jungem Zustand entfernt werden, sind sowohl Eingriff als auch Aufwand gering. Sobald sich die Moorvegetation auf der Fläche stabilisiert hat und keine Störungen mehr vorkommen, ist eine Verbuschungsgefahr kaum noch vorhanden.
In Mooren sind die verschiedenen Standorte und damit auch ihre spezifischen Vegetationseinheiten nicht immer scharf voneinander getrennt, sondern verzahnen sich vielfach derart, daß Bestände nicht mehr dem einen oder anderem Vegetationstyp zugeordnet werden können. Ausführliche Beschreibungen solcher Mosaikbildungen liefert MÜLLER (1965) aus norddeutschen Hochmooren, KAULE (1973) aus bayrischen Nieder- und Hochmooren und DIERSSEN (1984) von Bult-Schlenkenkomplexen aus drei Mooren im Südschwarzwald.
Mosaike bilden sich dort, wo die Standortbedingungen auf kleinstem Raum wechseln. Dies geschieht zum Beispiel an quellig vermoorten Hängen, wo die Sauerstoff- und Mineralversorgung von nahe beieinanderliegenden Kleinstandorten aufgrund unterschiedlicher Wasserbewegung und Strömungsverläufen sehr verschieden sein kann. Hier kommt es zu einem Mosaik von Herzblatt-Braunseggensumpf und Braunseggensumpf. In den Hochlagen des Gebietes ist an einem solchen Mosaik oft Übergangsmoor beteiligt.
Die abwechslungsreichsten Mosaikbildungen kommen innerhalb beweideter Moorflächen vor. Die unterschiedlichen Kleinstandorte werden hier zum einen durch die Trittlöcher, zum anderen durch die partielle Nährstoffanreicherung über Dungeintrag geschaffen.
In bestehenden Mosaiken des Herzblatt-Braunseggensumpfes und des Braunseggensumpfes wird das Gleichgewicht in Richtung des Herzblatt-Braunseggensumpfes verschoben, da durch den Tritt die Torfansammlungen unter dem Braunseggensumpf zerteilt und Quellwasseraustritte geschaffen werden. Durch Nährstoffeintrag und offene Bodenpartien gelangen Arten der Naßwiesen wie Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Sumpf-Hornklee (Lotus uliginosus) in die Flächen und bilden den dritten Mosaikpartner.
Tatsächlich finden sich in fast allen beweideten Niedermooren Mosaikbildungen aus Niedermoor und Naßwiese. Typisch für solche Flächen ist die Flatter-Binse (Juncus effusus), eine Pionierpflanze auf verdichteten nassen Böden, die die häufig durch Tritt gestörten Bereiche besiedelt.
Mit zunehmender Nutzung verschieben sich die Standorte des Niedermoores zugunsten der Naßwiese. Auf vielen Flächen, vor allem in den Tieflagen des Gebietes, sind die Niedermoorbereiche oft nur noch auf wenige, nicht zertretene Buckel beschränkt.
Zahlreiche Übergangsmoore des Gebietes liegen innerhalb
größerer Weidfeldkomplexe und sind dem Tritt und der partiellen Düngung des
Weideviehs ausgesetzt. Dadurch entsteht ein Mosaik an Standorten, das die
Vielgestaltigkeit eines beweideten Niedermoores bei weitem übertrifft. Über die
Trittlöcher wird der Anschluß an das mineralhaltige Bodenwasser geschaffen.
Hier siedeln je nach Wasserstand, Quellwasseraustritt und Nährstoffgehalt Arten
des Schnabelseggenriedes, des Herzblatt-Braunseggensumpfes, des
Braunseggensumpfes oder der Naßwiesen. Durch den Viehtritt entstehen Anrisse in
der Übergangsmoorfläche, die dadurch stellenweise abtrocknet; hier siedeln
Arten der Borstgrasrasen. Ein typischer Bestand eines solchen Mosaiks hätte
folgende Artenzusammensetzung:
Arten der Übergangs- und Hochmoore:
Sphagnum magellanicum Sphagnum rubellum
Eriophorum vaginatum Vaccinium oxycoccos
Vaccinium uliginosum Drosera rotundifolia
Arten der Niedermoore:
Eriophorum
angustifolium Carex echinata
Carex nigra Carex demissa
Viola palustris Pinguicula vulgaris
Arten der Borstgrasrasen:
Arnica montana Nardus stricta
Galium harcynicum Potentilla erecta
Polygala serpyllifolia Pedicularis sylvatica
Arten der Naßwiesen:
Juncus acutiflorus Crepis paludosa
Dactylorhiza majalis Valeriana dioica
Lotus uliginosus Climacium dendroides
Eine bezeichnende Pflanzenart dieser Mosaike ist die Sparrige Binse (Juncus squarrosus), die besonders häufig auf verdichteten Torfböden angetroffen werden kann. Nach ihr ist eine Pflanzengesellschaft (Juncetum squarrosi) auf vermoorten Wegen benannt. GRÜTTNER (1987: 179) beschreibt eine solche Gesellschaft aus dem Briglirain, die oft bandförmig im Grenzbereich anderer Gesellschaften ausgebildet ist. REIF und KÜSPERT (1993: 109) beschreiben aus dem Fichtelgebirge flächige Ausbildungen des Juncetum squarrosi, in denen sich „die Standortbereiche der Arten der Borstgrasrasen (Nardo-Callunetea) mit denen von Flachmooren-(Scheuchzerio-Caricetea fuscae) und Übergangsmoor-(Oxycocco-Sphagnetea)-Arten überlappen“. Der von ihnen beschriebene Vegetationstyp und die in der entsprechenden Vegetationstabelle aufgeführten Pflanzenarten stimmen mit den Verhältnissen aus dem Projektgebiet überein.
Das Quendel-Kreuzkraut (Polygala serpyllifolia) und das Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica) gelten neben der Sparrigen Binse als Charakterarten des Juncetum squarrosi. Wie bereits GRÜTTNER (1987: 181) schreibt, sind diese Arten im Gebiet jedoch recht weit verbreitet und zeigen hier keine enge Bindung an einen bestimmten Vegetationstyp.
Die Bestände auf den beweideten Übergangsmooren sind nur schwer einer bestimmten Pflanzengesellschaft zuzuordnen, da an ihrer Mosaikbildung unterschiedlichste Partner beteiligt sind. Die Mosaikstruktur ist nicht nur horizontal, sondern auch vertikal ausgebildet: in einem Trittloch innerhalb eines Bultes haben sich beispielsweise Fieberklee und Schnabel-Segge angesiedelt, danach schließt sich die Torfmoosdecke über der Vertiefung. Scheinbar aus dem Bult heraus wachsen jetzt Fieberklee und Schnabel-Segge, die aber in einem Bereich wurzeln, der einem Schnabelseggenried zugeordnet werden muß. Den verheilten Bult besiedeln unter Umständen Moosbeere und Heidekraut so daß an der selben Stelle Pflanzen der unterschiedlichsten Standorte vorkommen.
Das Beweidungsmosaik der Sparrigen Binse ist ein nutzungsbedingter Vegetationstyp und kann daher nur durch eine weiterführende Nutzung erhalten bleiben. Der Erhaltungswert dieses Typs kann in Frage gestellt werden, da es sich um gestörtes Übergangsmoor handelt. Die Nutzung auf diesen Flächen hat jedoch eine lange Tradition (vermutlich über 500 Jahre) und es haben sich an diesen Stellen konkurrenzschwache Arten halten können, die auf den Weidfeldern ringsum häufig schon verschwunden sind, da das trockene Weidfeld im Gegensatz zum nassen, vermoorten einer Intensivierung leichter zugänglich ist. Im Turntal werden ehemals beweidete Fläche seit längerer Zeit von Hand gemäht. Das ganze typische Artenspektrum ist jedoch noch vorhanden. Auf einer Teilfläche steht eine große Population der seltenen und stark gefährdeten Orchidee Weißzüngel (Pseudorchis albida). Die extensiv genutzten Übergangsmoormosaike sind so reich an seltenen und gefährdeten Arten, daß auch diese „Störzustände“ schützenswert erscheinen. Wo jedoch die Nutzung intensiviert wird und Störbereiche zunehmen, verschwinden die gefährdeten Arten.
Große Moorkomplexe, die das Entwicklungspotential zum naturnahen Zustand haben, sollten ohne Nutzung bleiben, sofern keine seltenen, speziefisch nutzungsbedingten Arten vorkommen, da Moore mit Beweidungsmosaik weitaus häufiger sind als naturnahe. Bei der Überführung eines genutzten Übergangsmoores in ein naturnahes ist auf Gehölzanflug zu achten, der sich in den gestörten Zonen leicht ansiedeln kann.
Bei einem Blick auf die Verbreitungskarte der Moore fällt deren Häufung im östlichen Teil des Gebietes in den Gemeinden Schonach und Schönwald auf. Während Niedermoore zum Teil auch im Tälerschwarzwald im Westen des Gebietes zu finden sind, bleiben Hochmoore bzw. deren Fragmente auf die Hochlagen des Rohrhardsberg, vor allem aber auf den Höhenschwarzwald im Osten des Gebietes beschränkt. In diesem Bereich treten verschiedene Faktoren zusammen, die die Entstehung von Mooren begünstigen:
- Das Teilgebiet zählt geomorphologisch zum danubischen Relieftyp; die zum Rhein entwässernden Bäche mit ihrer starken Erosionsenergie haben hier die ehemalige Donauhochfläche noch nicht mit tiefen Talschluchten zerschnitten. Stattdessen sind viele flache Mulden und Senken vorhanden, in denen Wasser nur langsam abfließen kann.
- Der geologische Untergrund besteht aus Granit. Wie bereits im Kapitel „2.2 Hochmoor“ beschrieben, vermag der grobe Granitgrus die feinen tonigen Bodenbestandteile nur schlecht zu halten, so daß diese leicht ausgewaschen und in Mulden und Verebnungen abgelagert werden. Dort bilden sie stark wasserstauende Schichten.
- Die Moore in diesem Teilgebiet liegen über 900 m ü. N. N. In dieser Höhenlage erzeugt das Klima durch hohe Niederschlagssummen und niedrige Temperaturen, d. h. geringe Verdunstung, einen großen Wasserüberschuß, was die Voraussetzung für die Bildung der ausschließlich regenwassergespeisten Hochmoore ist.
Tabellarisch werden hier die bemerkenswerten Pflanzenarten der Moore des Projektgebietes aufgezählt, die während des Untersuchungszeitraumes von 1992 bis 1995 vom Autor selbst beobachtet wurden, bei Fremdbeobachtungen wird auf die Quelle verwiesen. Die Statusangaben stammen bei den Gefäßpflanzen aus der Roten Liste von Baden-Württemberg (HARMS, PHILIPPI & SEYBOLD 1983), bei den Moosen aus der für die gesamte BRD (LUDWIG 1996), da für Baden-Württemberg noch keine Rote Liste der Moose existiert.
Da die Torfmoose in den Mooren eine zentrale Stellung einnehmen, wurden alle im Gebiet gefundenen Arten erwähnt. DIERSSEN (1984) nennt für den Schwarzwald 31 Torfmoosarten. Davon kommen im Projektgebiet 26 Arten vor.
Die Statusangaben vor den Artnamen bedeuten (in Klammer stehen für den Schwarzwald abweichende Gefährdungseinschätzungen des Autors) :
1 = vom Austerben bedroht 2 = stark gefährdete Art 3 = gefährdete Art
G = Gefährdung anzunehmen R = extrem selten 5 = schonungsbedürftig
V = zurückgehend, Vorwarnliste (entspricht in etwa Kategorie 5)
Falls aus dem Text kein anderer Zusammenhang hervorgeht, beziehen sich die Häufigkeitsangaben bei den Arten auf ihr Vorkommen im Projektgebiet.
3 Andromeda polifolia L.
im Projektgebiet überwiegend im Hochmoor, dort auch noch auf leicht gestörten Flächen.
2 (3) Arnica montana L.
Charakterart der Borstgrasrasen; häufig im beweideten Übgergangsmoormosaik.
5 Carex
canescens L.
häufig im Niedermoor, vor allem in nassen Flächen mit Carex rostrata.
5 Carex
demissa Horneman
bezeichnende Art im Herzblatt-Braunseggensumpf; regelmäßig an entsprechenden Standorten.
2 Carex dioica L.
seltene Segge; an basenreichen Quellaustritten im Herzblatt-Braunseggensumpf an vereinzelten Stellen im Gebiet von Schönwald, Obertal
5 Carex
echinata Murray
regelmäßig im kleinseggenreichen Niedermoor.
5 (2) Carex flava s. str. L.
typische Art der Kalkflachmoore; im Schwarzwald sehr selten; ein einziges, individuenreiches Vorkommen etwas außerhalb des Projektgebietes, in einem Herzblatt-Braunseggensumpf in Priesen.
5 Carex fusca All.
Charakterart der Kleinseggenriede auf basenarmen Standorten; regelmäßig im Nieder- und Übergangsmoor.
3 (2) Carex lasiocarpa Ehrh.
eine Art der Zwischenmoore, vor allem in Kalkgebieten; nur einmal auf kleiner Fläche eine fruchtende Population an quelliger Stelle im Randbereich eines ehemaligen Hochmoores bei Guten, Schönwald; außerhalb des Südschwarzwaldes bisher nicht im Schwarzwald nachgewiesen (HAEUPLER & SCHÖNFELDER 1988);
2 Carex limosa L.
eine Charakterart der Hochmoorschlenken, daher wie der entsprechende Standort selten und stark gefährdet; im Gebiet kommt die Art in den Hochmoorschlenken jedoch nicht vor; sie konnte dafür an einigen Stellen im Nieder- und Übergangsmoor gefunden werden.
Carex panicea L.
regelmäßig im Niedermoor, auch noch in stark durch Nutzung geprägten Flächen.
3 Carex pauciflora Lightf.
wird oft als Charakterart des Hochmoores gewertet, im Gebiet hat die Art jedoch einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt im naturnahen Übergangsmoor, sie ist dort an einigen Stellen überaus zahlreich zu finden.
3 Carex pulicaris L.
kennzeichnet bereits einen etwas basenreicheren Flügel innerhalb des Herzblatt-Braunseggensumpfes; an geeigneten Stellen regelmäßig vorhanden.
5 Carex
rostrata Stokes
Charakterart des Schnabelseggenriedes; zahlreich an nassen Stellen des Niedermoores und in verlandenden Gewässern; anscheinend nur in den Hochlagen, in tieferen Lagen konnte die Art nicht gefunden werden.
(3) Carex vesicaria L.
nur zwei Vorkommen im Gebiet zusammen mit Carex rostrata in verlandenen Teichen; im Mittleren Schwarzwald bisher nicht nachgewiesen (HAEUPLER & SCHÖNFELDER 1988).
5 (3) Corallorhiza
trifida Châtelain
im Schwarzwald seltene blattgrünlose Orchidee in Fichtenwälder (OBERDORFER 1994); an zwei Stellen im Gebiet am Waldrand in Übergangsmoorkomplexen gefunden.
5 Dactylorhiza maculata (L.) Soó
im Niedermoor häufig an Stellen, die durch Baumbewuchs etwas geschützt liegen und fast regelmäßig in kleineren Moorflächen im Wald, wie z. B. im Waldbinsenmoor.
3 (5) Dactylorhiza
majalis (Rchb.) Hunt et Summ.
regelmäßig in offen gelegenen Niedermoorflächen, auch in Naßwiesen.
3 Drosera rotundifolia L.
insektivore Pflanze auf nährstoffarmen Standorten mit wenig Konkurrenz; Charakterart der Hochmoore, aber auch an Quellaustritten im Herzblatt-Braunseggensumpf und an offenen Stellen im Moor, wie z. B. auf Viehtritt-Flächen; im Gebiet nicht selten.
5 Epilobium
palustre L.
häufig im Niedermoor, vor allem an nassen Stellen mit Carex rostrata.
5 Equisetum fluviatile L.
verbreitet im Schnabelseggenried.
3 (5) Eriophorum
angustifolium Honckeny
häufig im Nieder- und Übergangsmoor.
3 (2) Eriophorum
latifolium Hoppe
typisches Wollgras im Kalkflachmoor; jeweils ein Fund im Prechtal (VEDRA 1993, DIERSSEN 1984) auf 520 m und in einem Herzblatt-Braunseggensumpf bei Schönbächle, Schönwald auf 1000 m; außerhalb des Südschwarzwaldes ist diese Art im Schwarzwald sehr selten bis verschollen; in den Hochlagen des Mittleren Schwarzwaldes war sie bisher nicht nachgewiesen (HAEUPLER & SCHÖNFELDER 1988).
3 (5) Eriophorum
vaginatum L.
bezeichnende Art im Hochmoor, aber auch regelmäßig im Übergangsmoor und im sauren Niedermoor mit einzelnen Übergangsmoor-Inseln; bildet auf nassen gestörten Hochmoorflächen Massenbestände; in den Hochlagen des Gebietes häufig.
5 Galium
uliginosum L.
verbreitet im Niedermoor.
5 Juncus squarrosus L.
Pionierart auf verdichtetem Torfboden; im Gebie im beweideten Übergangsmoormosaik häufig.
2 (1) Lycopodiella innundata (L.) Holub
seltene und stark im Rückgang begriffene Art auf offenem Torfboden an Hoch- und Übergangsmoorschlenken: von LUTZ (1991) in einem Übergangsmoor im Gebiet Farnberg, Schönwald, für den Mittleren Schwarzwald wiederentdeckt; die letzte Angabe der Art aus dem Gebiet stammt von 1876 (PHILIPPI 1990).
3 Menyanthes trifoliata L.
verbreitet in nassen Ausbildungen des Niedermoores.
3 (5) Montia fontana L.
in den Quellfluren des Gebietes in höheren Lagen häufig.
3 (5) Parnassia palustris L.
häufig im Herzblatt-Braunseggensumpf, aber auch vereinzelt im Braunseggensumpf und in Naßwiesen.
3 Pedicularis
palustris L.
vereinzelt und viel seltener als die folgende Art, im Herzblatt-Braunseggensumpf stellenweise individuenreiche Populationen; Erstnachweis für das Projektgebiet.
3
(5) Pedicularis sylvatica L.
regelmäßig im Herzblatt-Braunseggensumpf, aber auch in anderen Niedermoorgesellschaften, im Übergangsmoor und im nassen Borstgrasrasen nicht selten.
Phragmites
communis
Trin.
ein Fund in einem Torfstich bei Gummelen, Schonach; die Art kommt in den Hochlagen des Schwarzwaldes sonst nicht vor und ist vermutlich eingeschleppt.
3 Pinguicula
vulgaris L.
insektivore Art; in lückigen Bereichen des Herzblatt-Braunseggensumpfes verbreitet, vor allem an den Quellaustrittstellen, aber auch an Sekundärstandorten wie nassen Böschungen und Viehtrittstellen.
3 Pinus
rotundata Link
im Projektgebiet im den Hochmoor (auch gestört) zwischen 900-1000 m häufig; im intakten Hochmoor niedriger Wuchs und nur am Rand etwas größer werdend, auf entwässertem, verheidetem Hochmoor dichte und hochwüchsige Bestände.
3 (5) Polygala
serpyllifolia Hose
typische Art nasser Borstgrasrasen; im Gebiet vor allem in den höheren Lagen, hier auch im Niedermoor und im beweideten Übergangsmoormosaik verbreitet.
3 Potentilla
palustris Scop.
verbreitet in nassen Bereichen des Niedermoores, vor allem im Schnabelseggenried.
2 Pseudorchis albida (L.) A. et D. Löve
seltene Orchidee magerer Borstgrasrasen; an einer Stelle eine individuenreiche Population in einem Übergangsmoormosaik im Turntal, Schönwald.
3 (2) Rhynchospora alba (L.) Vahl
im Schwarzwald eine seltene Art der Hoch- und Zwischenmoorschlenken; im Mittleren Schwarzwald bisher nur ein Nachweis aus dem Blindensee-Moor (DIERSSEN 1984; 1995 konnte außerdem in einem Herzblatt-Braunseggensumpf bei Mosenberg, Schonach (knapp außerhalb des Projektgebietes), ein großer Bestand nachgewiesen werden.
3 (2) Salix repens L.
in Baden-Württemberg vor allem in den Mooren des Voralpenlandes verbreitet , sonst selten; im Schwarzwald sind nur sehr wenige Fundorte bekannt (QUINGER 1990); MEINEKE (1986) erwähnt im Gebiet die Art erstmals aus Untertiefenbach, Schönwald; dieses Vorkommen konnte bestätigt werden; daneben wurden in Schonach und Schönwald noch drei weitere, sehr individuenreiche Vorkommen gefunden; es handelt sich um die reichsten bekannten Vorkommen im Schwarzwald.
2 Scheuchzeria
palustris L.
Charakterart der Hochmoorschlenken, wie ihr Standort selten;.im Gebiet nur im Blindensee-Moor, im Elzhof-Moor und im Moor am Briglirain.
3 Scorzonera humilis L.
seltene Art nasser Borstgrasrasen und Moorwiesen; je ein Fund im Moor bei der Martinskapelle und im Borstgrasrasen bei der Sauermatten (LUTZ 1991).
3 (2) Trichophorum
alpinum (L.) Pers.
im Voralpenland verbreitete Art im basenreichen Niedermoor, vereinzelt auch im Südschwarzwald; im Projektgebiet ein Neufund in einem Herzblatt-Braunseggensumpf in Schönwald, Guten.
5 Trichophorum cespitosum (L.) Hartman
Charakterart der Hochmoore in Lagen über 1000 m; im Hochmoor bei der Sauermatten, Rohrhardsberg, große Bestände bildend.
3 Trientalis
europaea L.
in Baden-Württemberg nur im Schwarzwald, hat im Projektgebiet einen Verbreitungsschwerpunkt; in einigen naturnahen Übergangsmoorbeständen ist die Art sehr zahlreich.
2 Trifolium
spadiceum L.
stark gefährdete Art, die deutlich im Rückgang begriffen ist; die einjährige, spätblühende Pflanze (Juni-Juli) benötigt lückige Bestände, die nicht zu früh gemäht werden; im Gebiet von Schönwald noch in einigen extensiv genutzten Moorwiesen.
Typha
latifolia
L.
kommt im Gebiet nicht natürlich vor, wurde aber im Verlandungsbereich einiger Tümpel angepflanzt.
3
(5) Vaccinium oxycoccos L.
häufig im Hoch- und Übergangsmoor, aber auch an lückigen Stellen im Herzblatt-Braunseggensumpf.
3 (5) Vaccinium uliginosum L.
häufig im Randbereich von Hochmoor, auf gestörtem Hochmoor und im Übergangsmoor.
3
(5) Vaccinium vitis-idaea L.
ist in Mooren ein Verheidungszeiger; auf verheidetem Hoch- und Übergangsmoor häufig anzutreffen.
5 Viola
palustris L.
häufig im Niedermoor, daneben auch im Übergangsmoor und in Borstgrasrasen.
V Aneura pinguis (L.) Dumort. (Riccardia pinguis)
oft im Herzblatt-Braunseggensumpf in der Umgebung basenreicher Quellaustritte.
3
(V) Bryum alpinum Huds. ex With.
an quelliger Stelle auf nassem Sand beim Ramselhof, Rohrhardsberg.
V (3) Bryum pseudotriquetrum (Hedw.) Schrad. ex P. Gaertn. & al.
im Herzblatt-Braunseggensumpf im Bereich basenreicher Quellaustritte.
2 (R) Bryum
weigelii Spreng.
Grabenrand in torfmoosreichem Braunseggensumpf in Wässerwiese bei Rotenberg, Schonach.
3 Campylium
stellatum (Hedw.)
zerstreut im Bereich von Quellaustritten im Herzblatt-Braunseggensumpf; kennzeichnet hier die basenreicheren Stellen.
V Calliergon
stramineum (Brid.) Kindb.
zerstreut im Hoch- und Übergangsmoor zwischen Torfmoosen, vereinzelt auch im Niedermoor, dort zum Teil große Bestände.
(3) Calypogeia neesiana (C. Massal. & Carestia) K. Müll
im Wolfbauernmoor an schattigem Grabenrand auf Torf.
3 Cratoneuron commutatum (Hedw.) Roth
kalkholdes Moos, an kalkreichen Quellen für Travertinbildung verantwortlich; ein Fund an Quellaustritt im Herzblatt-Braunseggensumpf bei Untertiefenbach, Schönwald auf Gneis.
V Cephalozia connivens (Dicks.) Lindb.
im Übergangsmoor bei Hintere Vogte, Schonach, auf Rohhumus.
Chiloscyphus
pallescens
(Ehrh. ex Hoffm.) Dum.
an quellig durchflossenen Stellen im Herzblatt-Braunseggensumpf verbreitet.
Chiloscyphus polyanthos (L.) Corda
in Quellflur im Rensberg-Moor, Schonach.
2 Dicranum bergeri Blandow ex Hoppe
großer Bestand in gemähtem Übergangsmoor im Turntal, Schonach.
3 Dicranum bonjeanii De Not.
vier Fundorte im Herzblatt-Braunseggensumpf.
3 (V) Dicranella palustris (Dicks.) Crundw. ex E. F.
Warb (Diobelon squarrosum)
häufig mit Philonotis fontana an quelligen und durchsickerten Stellen, meist große Bestände.
3 Drepanocladus
revolvens ssp. intermedius (Lindb.) R. Wils.
vereinzelt an den basenreicheren Quellaustritten im Herzblatt-Braunseggensumpf; war bisher aus dem Mittleren Schwarzwald nicht nachgewiesen.
(2) Drepanocladus revolvens ssp. revolvens (Sw.) Warnst.
ein Fundort in quelligen Schlenken in einem Herzblatt-Braunseggensumpf bei Farnberg, Schönwald; in Baden-Württemberg bisher nur Nachweise von drei Fundorten im Südschwarzwald; die Auftrennung der Art in zwei Subspecies ist allerdings umstritten.
3 Fissidens
adianthoides Hedw.
in Kalkgebieten häufig im basenreichen Niedermoor; im Schwarzwald selten und nur wenige Angaben aus neuerer Zeit (DIERSSEN 1984); im Gebiet zweimal in Herzblatt-Braunseggensumpf in Schonach gefunden.
3 (5) Mylia anomala (Hook.) Gray
im Wolfbauernmoor an schattiger Grabenwand auf Torf.
V Philonotis fontana (Hedw.) Brid.
an Quellaustrittstellen und durchsickerten Bereichen überall im Gebiet häufig.
V (3) Philonotis
seriata Mitt.
Moos subalpiner, kaltstenothermer Quellfluren; im Schwarzwald bisher vorwiegend aus dem Feldberggebiet bekannt; in den Hochlagen des Projektgebietes mehrfach an Quellaustritten im Herzblatt-Braunseggensumpf gefunden.
3 Plagiomnium
ellipticum (Brid.) Kop.
ziemlich seltenes Moos, überwiegend aus Kalkgebieten nachgewiesen; im Schwarzwald bisher nur vier Funde aus dem Süden (SAUER 1990); im Projektgebiet ein Fund im Herzblatt-Braunseggensumpf im Wolfbauernmoor, Schonach.
V (3) Plagiothecium
platyphyllum Mönk.
selten und kaum bei uns nachgewiesen (BERTSCH 1966, 2 Angaben für B.-W.), vermutlich vielfach übersehen; im Projektgebiet Neufund auf flachem Stein in Quellbach an Moorrand bei Farnberg, Schönwald.
V Plagiothecium
ruthei Limpr.
in Waldbinsenmoor bei Wilhelmshöhe, Schonach.
3 Polytrichum
strictum Menzies ex Brid.
häufig auf gelegentlich etwas abtrocknenden Torfmoosbulten im Hoch- und Übergangsmoor.
V Riccardia
chamaedryfolia (With.) Grolle
zerstreut im Herzblatt-Braunseggensumpf auf Seggenbulten.
3 Scapania paludicola Loeske & K. Müll.
zerstreut in kleinen Beständen zwischen anderen Moosen auf nassem Niedermoortorf.
3 Scapania paludosa (K. Müll) K. Müll.
Art subalpiner kaltstenothermer Quellfluren; in Baden-Württemberg bisher nur aus dem Feldberggebiet beschrieben; im Projektgebiet häufiger (über 10 Stellen) an Quellaustrittstellen im Herzblatt-Braunseggensumpf der Hochlagen beobachtet, besiedelt freie Wasserstellen in großen schwammigen Polstern; von GRÜTTNER (1987) ein Fund aus dem Briglirain.
V Sphagnum
angustifolium (Russ.) C. Jens.
häufig im Hoch- und Übergangsmoor, stellenweise auch im Niedermoor.
V Sphagnum
capillifolium (Ehrh.) Hedw. (S. nemoreum)
häufige Art, auch außerhalb der Moore verbreitet.
3 Sphagnum
cuspidatum Ehrh. ex Hoffm.
charakteristisches Torfmoos der Hochmoorschlenken; im Projektgebiet regelmäßig an den entsprechenden Standorten, gelegentlich auch in oligotrophen Gräben und Torfstichen.
V Sphagnum denticulatum Brid. (S.
auriculatum)
Art basenreicher Standorte, regelmäßig im Herzblatt-Braunseggensumpf mit basenreichen Quellaustritten.
Sphagnum fallax
(Klinggr.) Klinggr.
häufigstes Torfmooe im Gebiet; bestandsbildend im nassen Niedermoor, aber auch im Hoch- und Übergangsmoor verbreitet.
V Sphagnum
flexuosum Dozy & Molk.
verbreitet in vernäßten Mulden und Gräben auf saurem Torf.
2 (3) Sphagnum
fuscum (Schimp.) Klinggr.
vereinzelt auf Bulten in gestörten Hochmoorbereichen.
V Sphagnum
girgensohnii Russ.
in Spirken-Mooren und vermoorten Fichtenwäldern.
2 Sphagnum
imbricatum Russ.
seltenes atlantisches Torfmoos mit nur zwei gesicherten Nachweisen aus dem Schwarzwald, davon ein Vorkommen im Moorkomplex Sulzbach, Schonach (DIERSSEN 1984). Aus dem Blindensee-Moor existiert eine unbestätigte Angabe von SCHLENKER (1908).
V Sphagnum
innundatum Russ.
im Herzblatt-Braunseggensumpf im Moorkomplex Sulzbach, Schonach.
3 (V) Sphagnum
magellanicum Brid.
eine der Charakterarten der Bunten Torfmoosgesellschaft im Hochmoor; im Gebiet regelmäßig an den entsprechenden Standorten, auch häufig im Übergangsmoor und auf Bulten im Niedermoor.
2 Sphagnum
majus (Russ.) C. Jens.
seltenes Schlenkenmoos, an ähnlichen Stellen wie Sph. cuspidatum; in Torfstichen im Lagg des Blindensee-Moor und in einem verlandeten Weiher im Moorkomplex Hintere Vogte.
2 Sphagnum
obtusum Warnst.
seltene Art ständig nasser und elektrolytreicher Schlenken; drei Angaben aus dem Gebiet bei DIERSSEN (1984), aus dem Wolfbauernmoor, Schonach, dem Blindensee-Moor und dem Moorkomplex Hölltal, Schönwald.
Sphagnum
palustre
L.
verbreitetes Torfmoos auf sauren Standorten; häufig im Braunseggensumpf, im Hoch- und Übergangsmoor, auch im vermoorten Fichtenwald.
3 (V) Sphagnum
papillosum Lindb.
mehrere Vorkommen im Gebiet, vermutlich verbreitet; Verbreitung schwer abzuschätzen, da im Gelände kaum von Sph. palustre zu unterscheiden; meist im Übergangsmoor, etwas minerotropher als Sph. magellanicum.
2 Sphagnum
platyphyllum (Braithw.) Warnst.
seltene Art basenreicher Niedermoor-Schlenken; im Mittleren Schwarzwald ein Nachweis aus dem Blindensee-Moor (DIERSSEN 1984).
3 (V) Sphagnum
quinquefarium (Braithw.) Warnst.
häufige Art in vermoorten Wäldern, gelegentlich auch im sauren Niedermoor.
V (3) Sphagnum
riparium Angstr.
ziemlich seltene Art nasser Niedermoore und Waldsümpfe; DIERRSEN (1984) verzeichnet aus dem Mittleren Schwarzwald nur zwei unbestätigte Vorkommen, die er anzweifelt. Im Projektgebiet konnte die Art nun zweimal nachgewiesen werden, in einem nassem Niedermoor bei Guten und in einem Waldsumpf bei Farnberg, Schönwald.
G (3) Sphagnum
rubellum Wils.
charakteristische Art in Bunter Torfmoosgesellschaft im Hochmoor, enger als Sph. magellanicum an ombrotrophe Standorte gebunden; im Gebiet an entsprechenden Standorten regelmäßig.
V Sphagnum
russowii Warnst.
häufig in vermoorten Fichtenwäldern, auch in Niedermooren gelegentlich anzutreffen.
V Sphagnum
squarrosum Crome
verbreitet in Moorwäldern und nassen Bereichen minerotropher Moore.
3 Sphagnum
subnitens Russ. & Warnst.
zerstreut im Herzblatt-Braunseggensumpf.
3
(V) Sphagnum subsecundum Nees
regelmäßig im basenreichen Niedermoor, eine Differentialart des Herzblatt-Braunseggensumpfes gegenüber des basenarmen Braunseggensumpfes.
3 Sphagnum
tenellum (Brid.) Bory
in periodischen Schlenken im Blindensee-Moor (HÖLZER 1977).
3 (V) Sphagnum
teres (Schimp.) Angstr.
verbreitet im Herzblatt-Braunseggensumpf und im basenreichen Schnabelseggenried.
2 (V) Sphagnum
warnstorfii Russ.
im Schwarzwald verbreitet in torfmoosreichen Beständen des Herzblatt-Braunseggensumpfes; im Projektgebiet häufig an den entsprechenden Standorten.
2 Splachnum
ampullaceum Hedw.
skotophile Art in Mooren, in den Alpen etwas häufiger, sonst sehr selten; im Schwarzwald existierten bisher nur ältere, zum Teil unbestätigte Angaben; der neuste Nachweis stammt von 1960 (AHRENS mündl.); konnte im Gebiet zweimal auf verrottetem Rinderdung in Übergangsmoormosaik mit Herzblatt-Braunseggensumpf nachgewiesen werden, bei der Hinteren Vogte, Schonach und oberhalb dem Torfstich Weißenbach.
3
(2) Tayloria tenuis (With.) Schimp.
seltene Art auf Dung und verrottetem Holz; ein Vorkommen auf Rinderdung in einem Moorkomplex bei Farnberg und an einigen Stellen auf dem Weidfeld beim Rohrhardsberg-Gipfel; die Art ist neu für den Mittleren Schwarzwald.
V Thuidium philibertii Limpr.
verbreitet, aber nicht häufig im Herzblatt-Braunseggensumpf.
2 (3) Tomenthypnum
nitens (Hedw.) Loeske (Homalothecium nitens)
Charakterart oligotropher Kalkquellmoore; im Projektgebiet wurde die Art häufig (ca. 20-30 Stellen) an den basenreichen Quellaustritten in Herzblatt-Braunseggensumpf gefunden; meist sind es nur kleine Vorkommen, die sich auf wenige dm² beschränken, nur selten tritt die Art im Gebiet auch großflächig auf.
V Warnstorfia exannulata (Schimp.) Loeske ( Drepanocladus exannulatus)
an Quellaustrittstellen im Herzblatt-Braunseggensumpf verbreitet.
Moore existierten bereits, bevor der Mensch begann die Landschaft für sich zu gestalten.Als primäre Standorte haben sie sich lange ihre Natürlichkeit und Ursprünglichkeit bewahrt. Dieses urwüchsige, nur mit großer Mühe nutzbar zu machende Wesen der Moore mag mit ein Grund sein, warum sie in den Vorstellungen mancher Menschen Angst erzeugen, warum sich so viele Gruselgeschichten um Moore ranken und daß sie oft als „schauerlich“, „unheilvoll“ und „düster“ umschrieben werden.
Andererseits wurden die Moore schon früh genutzt, auch wenn sie nicht in ertragsreiches Kulturland verwandelt werden konnten. Da der Flächenbedarf in der damals extensiv genutzten Landschaft sehr groß war, mußten auch die aus landwirtschaftlicher Sicht minderwertigen Moore zur Futtergewinnung dienen. Die Niedermoore des Projektgebietes wurden deshalb vor allem als Futterwiesen gemäht, die Hoch- und Übergangsmoore beweidet. Weitere Nutzungen waren Torfstich und Plaggenhieb (s. Kapitel 2.2 Hochmoor). Des weiteren bediente man sich der isolierenden Wirkung der Torfmoose, mit denen man am Haus Ritzen und Spalten (z. B. an Fensterrahmen) abdichtete.
Aus wissenschaftlicher Sicht sind vor allem die Hochmoore von Bedeutung, denn die 5-10 m mächtigen Torflagen stellen Archive der Vegetationsgeschichte dar. Die in den Mooren konservierten Pflanzenreste lassen sich noch nach Jahrtausenden bestimmten Arten zuordnen, So daß die Entwicklungsgeschichte der Moore nachvollziehbar wird. Neben den an Ort und Stelle gewachsenen Pflanzenarten, die Aufschlüsse über den Standort selbst geben, birgt der in den Mooren konservierte Pollenniederschlag Hinweise auf die Vegetation der Umgebung. Mithilfe von Pollenanalysen aus Mooren wurde schon zu Beginn dieses Jahrhunderts die nacheiszeitliche Vegetationsentwicklung rekonstruiert (z. B. BROCHE 1929). Anhand von Pollendaten zahlreiche Moore konnte FIRBAS (1949/52) die spät- und nacheiszeitliche Waldgeschichte Mitteleuropas darstellen. Mit Ausnahme der pollenanalytischen Untersuchung von MITTRACH (1972) im Blindensee-Moor, ist der Mittlere Schwarzwald im Rahmen dieser Studien weitgehend unberücksichtigt geblieben..
Viele Pflanzen und Tiere haben sich dem ursprünglichen Lebensraum „Moor“ angepaßt. Einige davon, so die Schnabel-Segge (Carex rostrata), sind flexibel genug, um auch in von Menschen geschaffenen oder veränderten Lebensräumen zu gedeihen. Andere jedoch, zum Beispiel die Rosmarinheide (Andromeda polifolia), sind auf die ursprünglichen Moore angewiesen, für sie gibt es keine Ausweichmöglichkeiten. Für den Natur- und Artenschutz haben Moore eine besonders hohe Bedeutung. Sehr viele der bei uns gefährdeten Pflanzen- und Tierarten leben in Mooren.
Die meisten Pflanzenarten dieses Biotops sind gefährdet, da der Lebensraum „Moor“ selbst gefährdet ist. Durch den Einsatz von technischem Gerät ist es dem Menschen gelungen, in kürzester Zeit den Großteil unserer Moore zu vernichten. Der großflächige Torfabbau und die Umwandlung in landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzte Flächen haben die Moore zu den am meisten gefährdeten Lebensräumen unserer Landschaft gemacht.
Natürliche und naturnahe Lebensräume besitzen für den Naturschutz einen hohen Stellenwert. Wichtige Ziele sind die Erhaltung natürlicher Lebensräume bzw. die Entwicklung gestörter Bereiche in einen naturnahen Zustand zu fördern.
In intakten Mooren konnte sich ein Teil der natürlichen Urlandschaft erhalten. Intakte Moore sind jedoch selten, die meisten Moore befinden sich in mehr oder weniger gestörtem Zustand. Allerdings weisen sie selbst dann oft noch eine große Naturnähe auf. Es gilt Entwicklungen zu fördern, die langfristig wieder einen weitgehend naturnahen Zustand entstehen lassen. Ist dieser Zustand erreicht, kann der Mensch die Fläche wieder der Natur überantworten.
In gestörten Mooren haben meist vorausgegangene Entwässerungen den Wasserhaushalt beeinträchtigt, so daß dessen Regelung der erste und wichtigste Schritt für eine Regeneration zu natürlichen Verhältnissen ist. Es geht dabei vor allem darum, im Moor vorhandenes Wasser zu halten und nicht über Entwässerungsgräben herauszuleiten. Teilweise kann es schon reichen, die vorhandenen Entwässerungsgräben nicht mehr zu unterhalten. Tiefe und breite Gräben müssen jedoch aufgefüllt werden. Zu diesem Zweck sollte auf keinen Fall Fremdmaterial wie Mineralboden sondern besser der Grabenaushub verwendet werden, der meist noch neben dem Graben liegt. Eine Wiedervernässung auf diese passive Weise - durch Zurückhalten des Moorwassers - wird nur in wenigen Fällen sofortige Wirkung zeigen, verhindert jedoch weitere Schäden Es wird dringend davon abgeraten, Bach- oder Quellwasser in ein Moor zu leiten und anzustauen Das eingeleitete mineralreiche Wasser verändert die Vegetationszusammensetzung des Standortes nachhaltiger als die vorausgegangene Entwässerung. Auf Flächen, mit allmählicher natürlicher Wiedervernässung, werden moorfremde Pflanzen (zum Beispiel Waldbäume) von selbst verschwinden. Um diese Entwicklung zu fördern, soll aufkommender Gehölzbewuchs in begleitender Pflege frühzeitig (bereits im Jungstadium) entfernt werden. In einer sich regenerierenden Moorfläche bedeutet das Abschlagen und Heraustransportieren größerer Bäume einen starken Eingriff und richtet großen Schaden an der Vegetationsdecke an. Es ist zu erwarten, daß die Regeneration ehemaliger Hochmoorflächen auf Dauer zumindest zu naturnahen Mooren führen kann, die ohne Pflege erhalten werden können. Ob sich jedoch unter heutigen Bedingungen wieder Hochmoore wie im ursprünglichen Zustand bilden können ist ungewiß.
Einige Moorstandorte sind durch die Rohdung nasser Waldbereiche und deren Offenhaltung durch Mahd oder Beweidung entstanden. Solche Moore sekundärer Standorte - überwiegend Niedermoore - standen in Kontakt zu natürlichen Mooren, aus denen die Moorarten einwandern konnten. Der natürlichen Entwicklung überlassen, würde sich auf diesen Flächen wieder Wald einstellen, so daß diese Moore zu ihrer Erhaltung eine Pflege bedürfen. Viele der primären Moore sind bereits nachhaltig gestört oder gar zerstört. Die Erhaltung von Mooren sekundärer Standorte kann hier einen kleinen Ausgleich schaffen, um den Fortbestand der Moorarten zu ermöglichen, die nur in einer ausreichend großen Zahl vernetzter Lebensräume auf Dauer existieren können.
Für Moore auf sekundären Standorten, die traditionell durch eine Nutzung wie Mahd offengehalten wurden (und für Moore, die durch Nutzung bereits so weit beeinträchtigt sind, daß sie nicht mehr den natürlichen Standortsbedingungen entsprechen), kann nur eine Aufrechterhaltung der Nutzung den Bestand sichern. Die traditionelle Nutzung, die diesen Standort geschaffen hat, ist dafür die beste Pflege. Allerdings haben sich die Nutzungsformen in neuerer Zeit gewandelt. Früher wurden in der Landwirtschaft die meisten Arbeitsgänge noch von Hand ausgeführt: Mähen mit der Sense, Schwaden mit dem Rechen, Aufladen mit der Heugabel. Heute gibt es Maschinen, die diese sehr mühsame Arbeit erleichtern. Auf den meisten Moorflächen können die modernen Maschinen jedoch nicht eingesetzt werden; da sie auf den nassen Flächen einsinken, müßten die Moore für eine rationelle Bearbeitung stark entwässert werden, was jedoch den Standort zerstören würde. Außerdem zerstören die schweren Maschinen auf den weichen Moorböden die Vegetationsdecke. Bei Mahdflächen gilt daher in den meisten Mooren die Forderung, nur leichte Maschinen wie Motormäher einzusetzen. Viele Arbeitsgänge - wie z. B. das Schwaden oder das Herausschaffen des Mähgutes - müssen nach wie vor in Handarbeit durchgeführt werden, um die empfindlichen Lebensräume nicht zu zerstören.
Viele Moorflächen werden beweidet. Die Beweidung ist mit einem deutlich geringeren Aufwand verbunden als die Mahd, allerdings ist sie auch nicht so schonend. Durch den Viehtritt und die partielle Anhäufung von Dung kommt es zu fortwährenden Störungen. In intakten, naturnahen Mooren sollte eine Beweidung daher nicht erfolgen. In Mooren, die nur durch eine Nutzung offengehalten werden können, kann die Beweidung dann ein Mittel der Wahl sein, wenn sich kein Bewirtschafter für eine Mahd findet, oder wenn eine reich strukturierte Morphologie der Fläche eine Mahd nicht zuläßt. Die Beweidung sollte sehr schonend erfolgen. Eine extensive Beweidung mit Jungvieh macht deutlich weniger Schäden als eine normale Beweidung mit Kühen, da das leichtere Jungvieh nicht so stark einsinkt. Von einer Beweidung im Frühsommer sollte abgesehen werden. Dann sind die Böden noch sehr naß und ein Weidegang wühlt den Boden stark auf. Normalerweise reicht eine extensive Beweidung aus, um zu starkes Aufkommen von Gehölzen zu verhindern. Im Einzelfall kann es jedoch nötig sein, massiv auftretender Gehölzaufwuchs manuell einzuschränken.
Früher war der Mist ein wertvolles Gut, denn er stellte den einzig verfügbaren Dünger dar. Außerdem gab es nicht viel davon, da Stallhaltung im modernen Sinn noch unbekannt war. Das Hauptziel der Viehhaltung war im Hohen Mittelschwarzwald damals die Jungviehaufzucht, die auf der Weide stattfand (HABBE 1980: 3). Die Stallungen dienten lediglich zum Überwintern der Mutterkühe, das Jungvieh wurde im Herbst verkauft. Daher wurde der Mist sparsam und wohlbedacht eingesetzt: er kam ausschließlich auf die Ackerflächen. Moorflächen, auch die gemähten, wurden dagegen nie gedüngt. Durch die moderne Stallhaltung fallen heute zum Teil so große Mengen an Dünger an, daß von einer Knappheit nicht mehr gesprochen werden kann; vielmehr sind die Mengen an Gülle in einigen Betrieben teilweise schon so groß, daß ihre Entsorgung Probleme bereitet. Zum Teil werden heute Moorstandorte zur Gülleentsorgung genutzt.. Da sich die Moore aber durch nährstoffarme Lebensbedingungen auszeichnen, wird der Standort durch Düngung soweit verändert, daß die hochspezialisierten Moorpflanzen durch weniger spezifische Arten verdrängt werden. Um die gefährdeten Lebensräume der Moore zu erhalten, muß jegliche Düngerzufuhr vermieden werden. An den Moorrändern ist oftmals das Eindringen von nährstoffliebenden Pflanzenarten in das Moor festzustellen, was auf einen Düngereintrag aus angrenzenden Flächen hinweist. Ein wirksamer Schutz vor derartigen Störungen sind Pufferzonen zwischen Moor und landwirtschaftliche Flächen, auf denen eine Düngung unterbleibt.
Moorwiesen sind in ihren nässesten Bereichen oft von kleinen Gräben durchzogen, die auf den Flächen stehendes Wasser ableiten sollen, um eine Bewirtschaftung zu ermöglichen. Früher wurden die Gräben mit dem Spaten gezogen und hatten eine Tiefe von 20 bis 30 cm. Durch diese flachen Gräben wird vor allem überstauendes Oberflächenwasser abgeleitet, der Moorkörper wird dadurch kaum entwässert. Mit Baggern werden heute jedoch Gräben von 0,5 bis 1 m Tiefe und mehr gezogen, die das Moor deutlich entwässern. Das Einbringen von Drainagerohren in Moorflächen verstärkt diesen Effekt. Infolge der Grundwasserabsenkung zersetzt sich die oberste Torfschicht, was zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung des Standortes und einem Verschwinden der gefährdeten Arten führt.
Im Bewußtsein der Bevölkerung sind Moore und Feuchtgebiete zum Inbegriff eines schützenswerten Biotops geworden. Da sich zahlreiche Moorflächen in Privatbesitz befinden, muß ihre Pflege im Rahmen von Pflegeverträgen mit dem Besitzer vergütet werden, wobei er eine finanzielle Entschädigung für eventuell anfallende Mehrarbeit erhält. Der beste Schutz der genutzten Moorflächen ist jedoch das Verständnis und die Eigenverantwortung der bewirtschaftenden Landwirte, die oft ein sehr gutes Gespür dafür besitzen, wie sie eine Moorfläche schonend pflegen können.
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